Klonen : Turniersieger aus dem Reagenzglas

Rennsieger reihenweise sind der Traum von Eric Palmer. Der französische Wissenschaftler ist Chef einer Firma, die Sportpferde klont und so die Erbanlagen legendärer Champions für die Zukunft sichern will.

Paris - Drei geklonte Pferde hat Cryozootech bislang hervorgebracht, das jüngste Fohlen heißt E.T.Cryozootech-Stallion und kam im Juni im US-Bundesstaat Texas zur Welt. Sein "Vater" E.T. gilt als das erfolgreichste Springpferd der Welt. "Es geht vor allem darum, die Erbanlagen dieses Champions, der im Alter von drei Jahren kastriert wurde, zu sichern", sagt Palmer. Doch die serienmäßige Produktion von Turniersiegern wird noch eine Weile auf sich warten lassen.

Allein der Vorgang des Klonens ist nach wie vor aufwändig und langwierig. Zur Herstellung einer Gen-Konserve werden Zellen aus der Haut des Tieres entnommen und im Labor als Kultur angelegt. Wenn die Kultur gut gediehen ist, werden die Zellen eingefroren. Doch um daraus dann einen Klon zu entwickeln, sind zahlreiche Versuche nötig. "Die Ergiebigkeit ist sehr gering, man muss es sehr oft versuchen. Es gelingt zwar irgendwann mit Sicherheit, aber bis dahin kann es sehr lange dauern", erläutert Palmer.

Künstliche Befruchtung ist verboten

Das Echo auf diese neue Art der Reproduktion ist nicht nur positiv. Pferde, die in Frankreich an Galopprennen teilnehmen, dürfen heute noch nicht einmal durch künstliche Befruchtung gezeugt werden, geschweige denn durch Klonen. Andere Sportarten wie Springen, Dressur oder Ausdauer schließen die neuen Pferde nicht aus - dennoch melden Züchter Zweifel an der Methode an. "Ich glaube, dass die Wissenschaftler sich damit amüsieren, aber nichts beweist, dass ein geklontes Pferd auch wirklich ein gutes Zuchtpferd wird", warnt Charles-Henri de Moussac, Vorsitzender des französischen Vollblut-Zuchtverbandes.

Symptomatisch für die gespaltene Reaktion der Pferdewelt ist die Haltung der Staatlichen Gestüte, einer schon im 17. Jahrhundert von Ludwig XIV. geschaffenen Einrichtung zur Erhaltung des genetischen Erbes und der Erzeugung von Rassepferden. Während die dort tätigen Wissenschaftler und Veterinäre sich für das Klonen interessieren und verlangen, dass Frankreich den Anschluss an weltweite Standards nicht verliert, bremsen die ebenfalls vertretenen Züchter und Rennprofis mit aller Kraft. "Klonen würde ihrer Ansicht nach die traditionelle Konkurrenz und die natürliche Auslese verfälschen", sagt Diane de Sainte Foy, Sprecherin der Gestüte.

Ein Dutzend Klonpferde

Doch Palmer hofft, dass sich seine Methode irgendwann durchsetzt. "Das Wort niemals gibt es nicht", glaubt der Unternehmer. Der Grundgedanke sei bisher ohnehin nur die Sicherung der Erbanlagen von außergewöhnlichen Pferden. "Unser erstes Ziel ist im Moment ja nicht die Erzeugung von Sportpferden", versichert der Wissenschaftler. Dazu ist die Technik auch noch nicht weit genug fortgeschritten, wurden doch bislang weltweit gerade Mal ein Dutzend geklonte Pferde zur Welt gebracht.

Bis dahin verdient Cryozootech sein Geld mit dem Anlegen von Gen-Banken und dem Verkauf von Beteiligungen an seinen vielversprechenden Klonen. Pferdebesitzer, die die Erbmasse ihrer Tiere für die Zukunft sichern wollen, können für 5000 Euro eine Gen-Konserve anlegen lassen, die für zehn Jahre aufbewahrt werden kann. Rund 30 Kunden haben von dieser Möglichkeit bislang Gebrauch gemacht, sagt Palmer. Insgesamt hat die Firma rund 50 Gen-Sätze von Pferden eingefroren.

Was die drei Champion-Klone anlangt, so können Interessenten Beteiligungen an ihnen erwerben. Sollten die Fohlen eines Tages wirklich bewährte Zuchtpferde werden, kann dies eine lohnende Investition sein. Wer sein Pferd bei Cryozootech klonen lassen möchte, kann dies auch tun: 250.000 Euro kostet es, eine Zweit-Version seines Lieblings herzustellen. (tso/AFP)

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