Knochenfund in Portugal : Europas größter Raubsaurier entdeckt

Forscher haben neue Saurierknochen in Portugal entdeckt – und mit ihnen womöglich Europas größten Fleischfresser. Torvosaurus kommt auf fünf Tonnen Kampfgewicht und zehn Meter Länge. Allerdings hat er Konkurrenten im Größen-Ranking.

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Skizze des bereits bekannten amerikanischen Bruders: Torvosaurus tanneri Foto: Reuters/Sergey Krasovsky
Skizze des bereits bekannten amerikanischen Bruders: Torvosaurus tanneriFoto: Reuters/Sergey Krasovsky

Berlin - Zehn Meter lang, bis zu fünf Tonnen schwer, mit messerscharfen, zehn Zentimeter langen Zähnen – Torvosaurus muss ein perfekter Jäger gewesen sein. Geht es nach Christophe Hendrickx und Octavio Mateus, war er noch mehr: nämlich Europas größter Fleischfresser. Die beiden Paläontologen der Neuen Universität Lissabon haben in Portugal neue Knochenfunde eines Torvosaurus untersucht und mit bestehenden Funden aus Amerika verglichen. In ihrer am Mittwoch veröffentlichten Studie im Wissenschaftsjournal „Plos One“ vermuten sie nun, dass der europäische Torvosaurus (zu Deutsch „wilde Echse“) eine gänzlich neue Art sein muss – und schwerer als sein amerikanisches Equivalent. Das könnte Torvosaurus zum größten Jäger machen, der einst über europäischen Boden wandelte.

„Es mag nicht der längste fleischfressende Dinosaurier sein, den wir kennen“, sagt Hendrickx – die Kreidezeit habe mit Tyrannosaurus (bis zu 12 Meter) oder Giganotosaurus (13 Meter) größere Tiere hervorgebracht. Torvosaurus jedoch, datiert auf die späte Jurazeit vor gut 150 Millionen Jahren, sei mit einem Schädel von 115 Zentimetern dennoch einer der Größten seiner Zeit, sagt Hendrickx.

Der portugiesische Schädel unterscheidet die Spezies von Funden in den USA

Bislang war die Art als Torvosaurus tanneri bekannt, circa neun Meter lang und zwei Tonnen schwer. Knochenfunde gab es im amerikanischen Colorado und im portugiesischen Lourinhã-Gebirge. Nun haben Hendrickx und Mateus die Oberkiefer beider Funde vergleichen – und deutliche Unterschiede festgestellt. Der amerikanische Torvosaurus trägt mehr als elf Zähne im Kiefer, der europäische weniger. Auch fehlt dem europäischen Fund die Interdentalplatte, eine Knochenstruktur, die sonst vielen Theropoden, also der Gruppe zweibeiniger Fleischfresser, eigen sind. All diese Merkmale veranlassen die beiden Forscher, für die europäischen Funde von Torvosaurus eine neue Art zu klassifizieren: Torvosaurus gurneyi.

Der von den Forschern untersuchte Torvosaurus-Schädel Foto: dpa
Der von den Forschern untersuchte Torvosaurus-SchädelFoto: dpa

Auch Oliver Wings, Leiter des Europasaurus-Project in Hannover, hält die Einordnung für realistisch: So sei ein Kiefer oft schon charakteristisch genug, um eine Art gut zu definieren. Allerdings ist Wings bei der Größe skeptisch: „Zehn Meter Körperlänge halte ich bei dem sehr grazilen Schädel für übertrieben.“

Torvosaurus bleibt nicht der einzige Lokalmatador: Baryonyx und Allosaurus buhlen um die Größe

Wer Europas größter Carnivor ist, bleibe laut Wings daher offen. Von Baryonyx, einem auf Fischfang spezialisierten Raubsaurier, existiert ein gut erhaltenes Skelett aus England von acht Metern Länge. Er war aber noch nicht ausgewachsen, sagt Wings. „Es wird sich mit weiteren Funden zeigen, wie groß Torvosaurus wird.“ Auch Allosaurus steht in der Konkurrenz: Knochen wurden, wie die von Torvosaurus, in der portugiesischen Gesteinsformation Lourinhã entdeckt. Er ist gut neun Meter lang. Allerdings hat Allosaurus riesige Geschwister in Nordamerika: Als „Big Al“ bekannt gewordene Skelettfunde von Allosaurus maximus in Wyoming lassen auf eine Körperlänge von bis zu 13 Metern schließen.

Der größte von allen bekannten Carnivoren war Spinosaurus mit 18 Metern Länge und einem Gewicht von neun Tonnen. Der Saurier mit dem markanten von Dornenspitzen durchzogenen Rückensegel – daher der lateinische Name „Dornenechse“ – trieb sich in der frühen Kreidezeit im heutigen Nordafrika herum. Knochenfunde gibt es unter anderem aus Ägypten und Marokko, nicht aber von der nördlichen Mittelmeerküste. So dürfte zumindest Spinosaurus den Rang als Europas größter Carnivor nicht beanspruchen. Denn als die „Dornenechse“ lebte, waren die Kontinente Afrika und Europa bereits auseinandergedriftet.

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