Knutnachfolgerin : Flockes Premiere wird zum Medienspektakel

Der Nürnberger Tiergarten wird die kleine Eisbärin Flocke am Dienstag den Medien vorstellen. Dazu werden mehr als 360 Medienvertreter erwartet, mehrere TV-Sender übertragen den ersten Auftritt live. Tierschützer verurteilen das Medienspektakel: "Flocke ist die Verliererin."

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Neuer Superstar. Bald wird Flocke ein psychisches Wrack sein, mahnen Tierschützer. -Foto: ddp

NürnbergDer erste öffentliche Auftritt der kleinen Eisbärin Flocke an diesem Dienstag wird zum Medienspektakel. Millionen Fernsehzuschauer in aller Welt können live verfolgen, wenn die knapp vier Monate alte Eisbärin erstmals in ihrem Gehege im Nürnberger Tiergarten zu sehen sein wird. Rund 360 Medienvertreter und 50 geladene Gäste haben Vorrang vor dem allgemeinen Publikum. Von Mittwoch an können die vielen Fans die junge Bärin dann besuchen.

Das Bayerische Fernsehen, das ZDF sowie die Nachrichtensender n-tv und N24 werden Flockes ersten Auftritt direkt übertragen. Angemeldet haben sich auch Teams des amerikanischen Nachrichtensenders CNN und des japanischen Fuji-TV. "Normale" Besucher des Tiergartens werden Flocke am Dienstag nicht zu Gesicht bekommen. Der Bereich um das Eisbärengehege wird im Umkreis von 50 Metern abgeriegelt. Ordner sollen dafür sorgen, dass sich niemand ohne Sonderausweis an Flocke heranschleichen kann.

Ab Mittwoch rechnet der Tiergarten mit bis zu 25.000 Besuchern pro Tag. Um den Ansturm zu bewältigen, hat sich der Zoo mit zusätzlichen Kassenhäuschen, Parkplätzen, Toiletten, Personal und einem Shuttleservice gerüstet.

"Flocke wird zum Affen gemacht"

Flocke war im Januar von ihrer Mutter Vera getrennt worden. Vier Pfleger haben sie seitdem rund um die Uhr betreut. Tierrechts-Aktivisten bekräftigen vor Flockes erstem Medien-Auftritt ihre Kritik am Nürnberger Tiergarten. Schon bald werde Flocke als psychisches Wrack enden, erklärte die Organisation Peta Deutschland. "Flocke ist die Verliererin".

Die Organisation übte scharfe Kritik am Umgang der Zoos mit Tierbabys. Für viele Tiergärten sei der Nachwuchs nicht mehr als ein willkommener Publikumsmagnet, um die Kassen zu füllen. "Die Schicksale der ehemals süßen Tierbabys ähneln sich: Entweder sie führen ein trauriges Leben in Gefangenschaft oder sie verschwinden auf dubiose Weise."

Der Vorsitzende des Wal- und Delfinschutz-Forums aus Hagen, Jürgen Ortmüller, erklärte in einer Mitteilung: "Flocke wird zum Affen gemacht." Der Zeitpunkt der öffentlichen Vorführung komme viel zu früh. Die Bärin werde später verhaltensgestört sein und ein trauriges Zoo-Leben fristen. (stb/dpa)

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