Welt : Konsumverhalten: Wie die Statistiker mit dem Warenkorb rechnen

Andreas Austilat

Inflation. Fast schien das Wort aus dem aktiven Wortschatz verbannt, bis im Mai diesen Jahres das Statistische Bundesamt in Wiesbaden 3,5 Prozent Preissteigerung meldete, so viel wie lange nicht. (Inzwischen ist sie wieder auf 2,6 Prozent gesunken.) Die Zahl wird im öffentlichen Sprachgebrauch als "Inflationsrate" gehandelt. Zum Leidwesen von Günther Elbel, Preisstatistiker im Bundesamt: "Wir versuchen den Begriff zu vermeiden." Eine amtliche Feststellung der Inflationsrate gebe es nicht, dazu müssten nämlich Investitionen, Staatsverbrauch, privater Verbrauch und Außenwirtschaftsbeitrag zusammengerechnet werden, und das tue niemand.

Aber es gibt so etwas wie die Inflationsrate aus der Sicht der privaten Haushalte, und das ist der Preisindex für die Lebenshaltung, auch Verbraucher- preisindex genannt. Nun können sich die Lebenshaltungskosten ja aus verschiedenen Gründen erhöhen. Zum Beispiel, weil sich unsere Ansprüche und damit auch unser Konsumverhalten ändert. Wenn wir nicht mehr zum billigen Pflanzenöl, sondern nur noch zum kalt gepressten Olivenöl greifen, dann bleibt das nicht ohne Auswirkung auf die Lebenshaltung. Aber das interessiert die Preisstatistiker nicht. Ihre Aufgabe ist es zu beobachten, wie sich die Preise bei gleichbleibendem Verbraucherverhalten verändern. Zu diesem Zwecke wird alle fünf Jahre der so genannte Warenkorb gepackt.

Ermittelt wird dieser in Einkommens- und Verbrauchsstichproben in bis zu 70000 Haushalten. Während 1950 am Ende noch rund 200 Artikel im Korb lagen, sind es heute 750, vom Erbsenglas über den Kleiderschrank bis zum Zahnarzt- und Friseurbesuch. Und jede Position schlägt mit einer Promillezahl zu Buche, die den finanziellen Aufwand repräsentiert, die der Durchschnittshaushalt für sie aufwendet. Steigen also die Benzinpreise um zehn Prozent, dann hat das nur einen bestimmten Einfluss auf den Verbraucherpreisindex, der jenem Anteil entspricht, den Benzin am Gesamtpaket ausmacht. Überprüft wird das Preisniveau Monat für Monat anhand von bis zu 1000 Preisen für jeden Artikel, die in 190 so genannten Berichtsgemeinden in ganz Deutschland erhoben werden.

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