Welt : Kosmische Bombe platzt kurz nach ihrer Entdeckung

MIKE SCHERFNER (tdp rtr)

Asteroid wird nach NASA-Rechnungen an Erde vorbeifliegen / "Wir würden sonst ein Raumfahrzeug mit einer Atomwaffe aussenden"VON MIKE SCHERFNER (tdp/rtr)Die US-Raumfahrtbehörde NASA ist Befürchtungen entgegengetreten, der Asteroid 1997 XF11 werde in 30 Jahren auf der Erde aufschlagen und eine Katastrophe anrichten.Der Himmelskörper werde statt dessen vermutlich in zweieinhalbfachem Mondabstand, fast eine Million Kilometer entfernt, an der Erde vorbeifliegen.Für ihre Berechnungen werteten die NASA-Wissenschaftler Fotos von 1997 XF11 aus.Die astronomische Vereinigung IAU hatte zuvor erklärt, der nur schwer am Himmel auszumachende Asteroid könnte am Donnerstag, dem 26.Oktober 2028, auf der Erde aufschlagen.Jim Scotti von der Universität von Arizona entdeckte den Asteroiden im Dezember vergangenen Jahres.Inzwischen wurde der 1,6 Kilometer lange Himmelskörper in die Liste potentiell gefährlicher Objekte aufgenommen.Diese Liste umfaßt derzeit 108 Objekte, die der Erde in den nächsten Jahrhunderten zu nahe kommen könnten.Die IAU forderte Hobby-Astronomen auf, den Asteroiden 1997 XF11 zu beobachten, um weitere Informationen zu gewinnen.Nach Berechnungen der NASA ist ein Aufschlag auf der Erde so gut wie ausgeschlossen.Wenn neuere Berechnungen Gegenteiliges ergeben sollten, dürfte die Staatengemeinschaft allerdings nicht allzu lange zögern, den Asteroiden rechtzeitig von seinem Kurs abzubringen.Und dazu müßte sie ein gewaltiges Geschütz auffahren."Wir würden ein Raumfahrzeug aussenden und es vermutlich mit einer Atomwaffe bestücken", sagte der NASA-Forscher Don Yeomans."Einen Asteroiden-Radius über der Oberfläche von 1997 XF11 würden wir die Bombe zünden.Dies würde den Asteroiden gerade so stark verlangsamen, daß er in 30 Jahren nicht auf die Erde trifft."Bereits in der Vergangenheit haben zahlreiche Asteroiden die Erde bombadiert.Vor 65 Millionen Jahren schlug ein mehrere Kilometer großer Himmelskörper auf der heutigen mexikanischen Halbinsel Yucatan ein.Dieses Ereignis führte nach Ansicht von Experten zum Aussterben der Dinosaurier.Die durch den Aufschlag enstandenen Staubwolken verdunkelten die Erde derart lange ("atomarer Winter"), daß den pflanzenfressenden Saurieren ihre Nahrungsgrundlage verlorenging.Erst 1908 explodierte zudem ein herabstürzender Himmelskörper über Tunguska in Sibirien in einigen Kilometern Höhe über dem Erdboden.Infolge der Druckwelle knickten etliche Quadratkilometer Wald wie Streichhölzer um.Die Erforschung erdbahnkreuzender Asteroiden ist hochaktuell.Etwa 300 dieser dunklen Himmelskörper, die urplötzlich am Nachthimmel auftauchen können, wurden bislang entdeck und näher studiert.Neueren Schätzungen zufolge sollen über 1500 von ihnen mehr als einen Kilometer dick sein.Unter ihnen befindet sich auch der 1989 von französischen Astronomen entdeckte Asteroid 4179, der mittlerweile den keltischen Götternamen "Toutatis" trägt.Seine Achsen sind 4,2 sowie 2,4 und 1,9 Kilometer lang."Toutatis" kommt der Erde nach bisherigen Rechnungen am 29.September 2004 besonders nahe.Derzeit kann davon ausgegangen werden, daß er in vierfachem Mondabstand an der Erde vorbeirauscht, so nah wie kein anderer bisher bekannter Asteroid vor 1997 XF11.Ein Aufprall von "Toutatis" auf der Erde ist aber bislang nicht völlig auszuschließen.Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei etwa 0,1 Prozent.Nach dem Einschlag eines derartigen Asteroiden in einen der Ozeane würden kilometerhohe Wellen die Erde mit hohen Geschwindigkeiten umlaufen und die weite Küstenbereiche überfluten.Ein Auftreffen auf dem Festland hätte neben einer gewaltigen Druckwelle ein dem geschilderten "atomaren Winter" vergleichbares Szenario zur Folge.Die genaue Beobachtung der Asteroiden und die Berechnung ihrer Bahnen ist daher für Menschheit von existenzieller Bedeutung.

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