Welt : Kumbh-Mela-Fest: Waschung per Internet

Rico Czerwinski

Es ist ein weiter Weg bis zum heiligen Fluss, Hollywood-Stars nehmen das Flugzeug. Für Millionen Hindus in der ganzen Welt hingegen bleibt das alle zwölf Jahre stattfindende Kumbh-Mela-Fest an der Kreuzung von Ganges, Yamuna und dem mythischen Fluss Saraswati unerreichbar. In diesem Jahr sollen auch sie sich von Sünden reinigen, und aus dem Kreislauf der Wiedergeburt befreien können: Im Internet, auf einer Hindu-Homepage.

Die Organisatoren wollen allen Gläubigen, die nicht persönlich an dem 42-tägigen Fest in Allahabad im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh teilnehmen können eine virtuelle Waschung bieten. Zwar habe diese nach Angaben von Sprecher Pankaj Jain nicht denselben Effekt der Sündenbefreiung wie ein tatsächliches Bad, "aber ich glaube, es wirkt." Für Geistliche stelle sie jedenfalls kein Problem dar: "Sie spiegelt stattdessen den technischen Fortschritt Indiens."

Mit einem Bad im eiskalten Ganges haben inzwischen mehr als 800 000 Hindus das größte Glaubensfest der Welt begonnen. Die Wassertemperaturen lagen bei 5 Grad über Null. Der Strom sei sauber, weil der Zufluss von Abwasser vorübergehend gestoppt worden sei, sagte Regionalminister Lalji Tandon. Insgesamt erwarten die Organisatoren während der kommenden sechs Wochen 30 bis 70 Millionen Besucher. Zu ihnen sollen auch Madonna, Pierce Brosnan, Richard Gere, Demi Moore und Sharon Stone zählen. Die "Times of India" berichtete am Dienstag unter Berufung auf Reiseanbieter, sie wollten im Laufe des Januar anreisen.

Das Guinness-Buch der Rekorde beschreibt das "Fest des Nektarkrugs" als die "größte Ansammlung von Menschen mit einem gemeinsamen Anliegen". Wegen des Besucheransturms trafen Polizei, Armee und Geheimdienst besondere Sicherheitsvorkehrungen. Sorge bereiten vor allem mögliche Anschläge militanter Moslem-Gruppen. Minensuch-Teams, Marinetaucher und Suchhunde waren auf dem 2000 Hektar großen Festplatz im Einsatz. Bestens vorbereitet will man auch für den Fall sein, dass eine Massenpanik ausbricht. Rund 5000 Polizisten überwachen zusammen mit Soldaten und Geheimdienstagenten jeden Winkel des Festplatzes. Über dem Wallfahrtsort kreisen zwei Hubschrauber der Luftwaffe.

Ein Blick ins Archiv: Bei einer Massenpanik während des Maha Kumbh Mela im Jahr 1954 wurden zwischen 500 und 1000 Menschen zu Tode gequetscht. Im Massenandrang des letzten Festes 1989 wurden 60 Menschen niedergetrampelt. Bei den Vorbereitungen zum diesjährigen Fest, die bereits vor Monaten begannen, wurden unter anderem 27 Schiffsbrücken eingerichtet, die die Bewegungsfreiheit der Pilger garantieren sollen. Auch eine Beleuchtungsanlage mit 20 000 Strommasten wurde installiert.

Das Maha Kumbh Mela gilt als religiös und politisch brisant: Beobachter erwarten, dass radikale Hindu-Führer den Bau eines dem Gott Rama gewidmeten Tempels auf den Ruinen einer Moschee in der nordindischen Stadt Ayodhya ankündigen wollen. Diese war von militanten Hindus eingerissen worden. Die Zerstörung der Moschee hatte zu blutigen Zusammenstößen zwischen Hindus und Moslems geführt, bei denen 2000 Menschen starben.

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