"Kyrill" : Orkannacht kostet Deutschland eine Milliarde Euro

Einen Tag, nachdem das Orkantief "Kyrill" über Deutschland hinweggefegt ist, sind die Kosten kaum zu beziffern. Die Versicherer schätzen den Schaden derzeit auf rund eine Milliarde Euro - mehr als beim Orkan "Jeanett" 2002.

München/Berlin - Windgeschwindigkeit, Ausdehnung und Verweildauer seien bei "Kyrill" größer gewesen als beim Sturm im Oktober 2002, teilte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit. "Deshalb gehen wir davon aus, dass Kyrill größere Schäden angerichtet hat", sagte GDV-Pressereferent Stephan Schweda. Für "Jeannett" hatten die Deutschen Versicherer mehr als 660 Millionen Euro bezahlt.

Mit genauen Zahlen rechnen die Versicherer erst in einigen Tagen. Auch Rückversicherer wie Münchener Rück und Swiss Re erwarten erst für die nächste Woche Angaben zur exakten Schadenshöhe.

Alle Sturmschäden sollten umgehend dem zuständigen Versicherer gemeldet werden, sagte Schweda. Die meisten Schäden an Autos und Häusern seien versichert, da ab Windstärke 8 die Gebäude-, Hausrat- und Kaskoversicherung einspringen müsse. Da "Kyrill" ein bundesweites Phänomen gewesen sei, müssten Geschädigte in der Regel keinen Nachweis der Windstärke erbringen.

Bahn: Können nicht alle entschädigen

Nach den massiven Störungen und Zugausfällen bei der Bahn haben Fahrgäste keinen Anspruch auf Entschädigung, können aber auf Kulanz hoffen. "Wir wollen unseren Kunden helfen und werden dafür jeden Einzelfall prüfen", sagte ein Bahnsprecher. Ein Orkan sei eindeutig ein Fall von höherer Gewalt. Die Kundencharta für den Fernverkehr des bundeseigenen Konzerns sieht einen Rechtsanspruch auf Erstattung nur bei Störungen vor, die das Unternehmen selbst zu verantworten hat wie etwa einen technischen Defekt. Dann gibt es 20 Prozent des Preises zurück, wenn das Ziel mehr als eine Stunde zu spät erreicht wird.

Dennoch wolle sich die Bahn nun bei Entschädigungen kulant zeigen, sagte Konzernchef Hartmut Mehdorn. Der Sturm sei ein Notfall gewesen. "Wir können nicht alle entschädigen." In der Nacht waren auf manchen Bahnhöfen bereits Gutscheine für Taxifahrten oder Hotelübernachtungen verteilt worden. (tso/dpa)

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