Luftraum über Island teilweise gesperrt : Vulkan Bardarbunga ausgebrochen

Der größte Vulkan Islands, der Bardarbunga, ist ausgebrochen. Bei einem größeren Ausbruch befürchten Wissenschaftler starke Beeinträchtigungen des Flugverkehrs in Nordeuropa. Noch sei allerdings keine Vulkanasche ausgestoßen worden.

Ascheschleuder. 2010 brach der Eyjafjallajökull aus und legte den Flugverkehr lahm. Nun regt sich der Bardarbunga.
Ascheschleuder. 2010 brach der Eyjafjallajökull aus und legte den Flugverkehr lahm. Nun regt sich der Bardarbunga.Foto: AFP

Vor vier Jahren hat ein Ausbruch des isländischen Gletschervulkans Eyjafjallajökull den Flugverkehr in weiten Teilen Europas lahmgelegt. Auch der Vulkan Bardarbunga könnte eine riesige Aschwolke in die Luft pusten. Im April 2010 hatte die Eruption des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull einen Monat lang den Flugverkehr in Europa lahmgelegt. Mehr als 100.000 Flüge wurden damals gestrichen, gut acht Millionen Reisende saßen zum Teil tagelang auf Flughäfen fest. Das Bundesverkehrsministerium hat bereits Vorkehrungen getroffen.

Ob es soweit kommt, hängt vom Verlauf der Eruptionen ab. Denn tritt die Lava unter dem Gletscher aus, könnte sie das Eis zum Schmelzen bringen - mit gefährlichen Folgen.

Wie ist die Lage am Bárdarbunga?

Nachdem der Vulkan tagelange gebebt hatte, kam es in der Nacht zum Freitag zu einem Ausbruch. Dabei strömte Lava aus einem 100 Meter langen Riss neun Kilometer nördlich des Gletschers Vatnajökull. Das Meteorologische Institut auf Island rief Warnstufe Rot aus, stufte die Gefahr später auf Orange zurück. Dem Vulkanologen Thomas Walter vom Deutschen Geoforschungszentrum zufolge gibt es jetzt mehrere Szenarien. Im besten Fall beruhigt sich der Vulkan. Gefährlich wird es bei Ausbrüchen unter dem Gletscher. Dann droht eine Aschewolke. Zu dem Ausbruch in der Nacht kam es fünf Kilometer vom Gletscher entfernt in einem Gebiet ohne Eis.

Was bedeuten die Warnstufen?

Rot ist die höchste Warnstufe und bedeutet, dass ein Ausbruch des Vulkans ansteht oder schon begonnen hat. Dann könnte der Vulkan eine große Menge Asche ausstoßen. Orange ist die zweithöchste Warnstufe und besagt, dass der Vulkan erhöhte oder ansteigende Aktivität zeigt und größere Wahrscheinlichkeit für eine Eruption besteht.

Gelb zeigt an, dass der Vulkan unruhig ist, grün und grau symbolisieren keine nennenswerte Aktivität.

Ist der Bárdarbunga schon mal ausgebrochen?

Vulkanologe Walter schätzt, dass der Vulkan in den vergangenen tausend Jahren schon mehr als 20 Mal ausgebrochen ist. Vor 8500 Jahren kam es zu einem der gewaltigsten Vulkanausbrüche der Neuzeit.

Dabei stieß Bárdarbunga soviel Lava aus, dass eine Stadt wie Berlin unter einer mehrere Meter dicken Lavaschicht begraben worden wäre.

Welche Gefahr geht von Bárdarbunga aus?

Die Folgen eines starken Ausbruchs könnten enorm sein.

Wissenschaftler haben die Sorge, dass das Magma unter einem dicken Eisgletscher eine Eruption hervorrufen könnte, die eine explosive Aschewolke wie damals beim Ausbruch des isländischen Gletschervulkans Eyjafjallajökull auslöst. Vulkanasche kann bei Flugzeugen zum Ausfall von Triebwerken führen. Die Behörden sind in Alarmbereitschaft. Zudem drohen schwere Überschwemmungen, wenn die Lava unter dem Eis austritt und dieses zum Schmelzen bringt.

Wie kann man Vulkan-Ausbrüche vorhersagen?

Dem Vulkanologen Walter zufolge werden derzeit rund 500 der 1500 Vulkane mit Instrumenten wie Seismographen und Radargeräten beobachtet. Ausbrüche kündigten sich Wochen vorher an, etwa mit Erdbeben. Außerdem treten Gase aus und die Oberfläche des Vulkans wölbt sich, wenn Magma aus dem Inneren des Vulkans in die Kruste tritt. Diese Messungen werden dann mit bereits vorhandenen Daten abgeglichen, um Vorhersagen zu machen.

Welche Aussagen lassen sich für Bárdarbunga treffen?

Für die Forscher ist es nicht einfach, die Gefahren rund um den Bardarbunga abzuschätzen. Der Grund: Der Vulkan liegt in einem sehr schwer zugänglichen Gebiet. Selbst GPS- und seismographische Geräte müssen in einiger Entfernung vom Vulkan aufgebaut werden, erklärt der Experte Walter. Die Daten werden übertragen und dann in Reykjavik analysiert. (dpa)

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