Madrid : Der Co-Pilot startete Spanair-Unglücksmaschine

Die ersten Ergebnisse aus den Flugschreiberauswertungen sind da: Offenbar hat der Co-Pilot die Unglücksmaschine gestartet. Laut Experten wechseln sich normalerweise beide Piloten beim Steuern ab. Bei dem Absturz in Madrid sind 154 Menschen getötet worden.

Spanair
Diese Bilder sind schmerzhaft genug für die Hinterbliebenen der"Spanair"-Opfer. -Foto: dpa

MadridBei der Flugzeugkatastrophe in Madrid hat nach einem Expertenbericht der Co-Pilot die Unglücksmaschine der spanischen Gesellschaft Spanair gesteuert. Dies gehe aus den Auswertungen der Flugschreiber des abgestürzten Jets vom Typ MD-82 hervor, berichtete die spanische Presse am Donnerstag.

Nach einem vorläufigen Bericht der Ermittlungskommission zur Aufklärung der Unglücksursache stammten die Daten auf den Flugschreibern vom zweiten Bordcomputer der Maschine. Dies bedeute, dass der Co-Pilot die Maschine gestartet habe. Beim Absturz der Spanair-Maschine auf dem Madrider Flughafen waren am 20. August 154 Menschen getötet und 18 weitere verletzt worden.

Luftfahrtexperten wiesen darauf hin, dass es üblich sei, dass der Pilot und der Co-Pilot sich beim Steuern eines Flugzeugs abwechselten. Beide Mitglieder der Cockpit-Besatzung kamen bei dem Unglück ums Leben. Der Co-Pilot war nach Angaben der Zeitung "El País" 31 Jahre alt und hatte auf Maschinen des Typs MD-82 mehr als 1050 Flugstunden absolviert.

Spanair und Flugzeughersteller schieben sich gegenseitig die Schuld zu

Aus dem Bericht der Expertenkommission war hervorgegangen, dass die Unglücksmaschine ohne ausgefahrene Auftriebshilfen gestartet war. Ein Defekt in der Elektronik hatte zur Folge, dass das für diesen Fall vorgesehene Alarmsystem nicht funktionierte. Die Ermittler hielten Spanair vor, eine Empfehlung des Flugzeugherstellers McDonnell Douglas nicht befolgt zu haben, das Alarmsystem in Maschinen des Typs MD-82 vor jedem Start zu testen.

Spanair wies demgegenüber darauf hin, dass es eine solche Mitteilung nie erhalten habe. Der Hersteller hatte die Empfehlung nach einem ähnlichen Unglück in Detroit im Jahr 1987 gegeben. Spanair nahm seinen Flugbetrieb erst 1988 auf.

Der spanische Pilotenverband Copac protestierte dagegen, dass der Expertenbericht der Presse zugespielt wurde, und verklagte das spanische Verkehrsministerium. Es bestehe der Verdacht, dass vertrauliche Ermittlungsergebnisse verraten worden seien, betonte der Verband.

Auf Gran Canaria nahmen am Mittwochabend 3000 Menschen an einer Trauerfeier für die Opfer der Katastrophe teil. 72 der 154 Toten stammten von den Kanarischen Inseln. Unter den Trauergästen waren auch der spanische Kronprinz Felipe, Prinzessin Letizia und Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero. (saw/dpa)

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