Malaysia : Oppositionsführer wegen Homosexualität angeklagt

Wegen angeblich sexueller Neigungen ist gegen den malaysischen Oppositionsführer Anwar Ibrahim Anklage erhoben worden. Dem Politiker und sechsfachen Vater drohen bis zu 20 Jahre Haft.

Kuala LumpurDer malaysische Oppositionsführer Anwar Ibrahim ist am Donnerstag wegen angeblicher homosexueller Handlungen von einem Richter in Kuala Lumpur angeklagt worden. Er soll mit einem 23-jährigen Mitarbeiter seines Büros gleichgeschlechtlichen Sex gehabt haben.

Der frühere Vize- Regierungschef, der von mehreren Rechtsanwälten und Familienmitgliedern begleitet wurde, plädierte auf nicht schuldig. "Das ist Rufmord, eine bösartige Anschuldigung und ich bin nicht schuldig", sagte Anwar, nachdem die Anklageschrift verlesen worden war. Anwar wurde gegen eine Kaution von umgerecht knapp 4000 Euro auf freiem Fuß gelassen. Er musste jedoch seinen Pass abgeben.

Um das Gerichtsgebäude hatten sich trotz einer außerordentlich starken Polizeipräsenz mehrere hundert Anhänger versammelt. Sie jubelten dem Politiker bei seiner Ankunft zu. Ein Mitarbeiter Anwars hatte den Politiker Ende Juni wegen verbotener homosexueller Kontakte angezeigt. Der sechsfache Vater ist der Ansicht, dass damit sein politisches Comeback verhindert werden solle. Die Abgabe eines Bluttests für eine DNA-Probe habe er aus Angst vor einer Manipulation verweigert.

Schon einmal verurteilt

Anwar war bereits vor zehn Jahren wegen Vorwürfen der Homosexualität und Korruption als stellvertretender Regierungschef entlassen und zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Im Jahr 2004 wurde das Urteil aufgehoben und Anwar kam frei. Menschenrechtsorganisationen hielten den Prozess für politisch motiviert. Im März feierte er eine fulminante Rückkehr auf die politische Bühne Malaysias, als seine Partei bei der Parlamentswahl stärkste Oppositionskraft wurde. Seither haben die innenpolitischen Spannungen zugenommen. In dem mehrheitlich muslimischen Land sind gleichgeschlechtliche Beziehungen strafbar: Dafür drohen bis zu 20 Jahre Gefängnis. (sgo/dpa/AFP)

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