Welt : Malvo gegen Muhammad

Der mutmaßliche Komplize sieht das „Sniper“-Urteil als Entlastung

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Washington . Das Leben des schuldig gesprochenen Heckenschützen von Washington liegt jetzt in den Händen von zwölf Geschworenen. Einen Tag nach dem Schuldspruch gegen den „Sniper“ setzte das Gericht in Virginia Beach am Dienstag die Anhörung zum Strafmaß fort. Die sieben Frauen und fünf Männer müssen jetzte darüber entscheiden, ob der 42 Jahre alte John Allen Muhammad mit der Giftspritze hingerichtet wird oder lebenslang ins Gefängnis kommt. Die Entscheidung dürfte nach Angaben von Prozessbeobachtern Ende dieser oder möglicherweise auch erst Anfang nächster Woche fallen. Der Prozess gegen den zweiten Angeklagten, Lee Boyd Malvo, wurde unterdessen in Chesapeake fortgesetzt.

Muhammad hatte das Urteil am Montag ohne sichtbare Gefühlsregungen entgegengenommen. Er hatte bei Prozessbeginn alle Schuld abgestritten. Seine Anwälte argumentierten, es gebe keine Beweise, dass Muhammad je selbst geschossen hat. Vielmehr habe Malvo den Abzug betätigt. Dessen Fingerabdrücke waren auch auf dem Tatgewehr gefunden worden.

Die Staatsanwaltschaft porträtierte Muhammad dagegen als Drahtzieher der Mordserie, die die US-Hauptstadt im vergangenen Oktober drei Wochen in Angst und Schrecken versetzt hatte. Er habe Malvo völlig beherrscht und zu einer Mordmaschine geformt. Im Großraum Washington waren insgesamt zehn Menschen erschossen und drei verletzt worden.

Staatsanwalt Richard Conway kündigte unmittelbar nach dem Schuldspruch am Montag weitere Beweise für die angebliche Ruchlosigkeit des Verurteilten an. „Wir behalten uns die schwerste Strafe für die Schlimmsten der Schlimmen vor“, sagte Conway. „Und, Leute, hier sitzt er genau vor euch und zeigt kein bisschen Reue.“ Muhammad sei für Hasstiraden etwa gegen Juden bekannt gewesen und habe weitere Morde geplant gehabt. Dafür seien Indizien auf seinem Computer und im Täterauto gefunden worden.

Verteidiger Jonathan Shapiro wollte Muhammad dagegen als liebenden Vater und treuen Freund darstellen, der eine harte Kindheit hatte und sich stets um andere sorgte. Muhammads Mutter sei an Brustkrebs gestorben, als er drei Jahre alt war. „Ist er unkorrigierbar und unsere Zeit nicht wert – gibt es keinen Grund ihm die Todesstrafe zu ersparen?“, fragte er die Geschworenen. Es sei nicht nötig, ein weiteres Leben auszulöschen.

Malvos Verteidiger zeigten sich mit dem Urteil gegen Muhammad zufrieden. „Der Schuldspruch entspricht unserer Verteidigungslinie“, sagte Anwalt Craig Cooley. „Mohammed hat Lee Malvo indoktriniert.“ Malvo ist angeklagt, die FBI-Analystin Linda Franklin erschossen zu haben. Der zum Tatzeitpunkt erst 17-Jährige senkte den Kopf, als vor Gericht am Montag ein Foto des 47-jährigen Mordopfers gezeigt wurde. Ihr Gesicht war durch den Schuss halb weggerissen worden. dpa

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