Welt : Marc Girardelli: Ein Weltcup-Sieger im Schneetreiben

Jürgen Zurheide

Der Mann telefoniert pausenlos. Und wenn er nicht telefoniert, sitzt er in irgendwelchen Besprechungen. Nur zwischendurch kann Marc Girardelli den einen oder anderen Fragesteller bedienen, aber für seine Kernbotschaft braucht er ohnehin nicht viel Zeit. "Das ist alles Quatsch", entfährt es dem frühren Ski-Weltmeister, wenn man ihn auf die Probleme und die Klage eines angeblichen Geschäftspartners aus Belgien anspricht. Danach hastet Girardelli wieder in seine Skihalle, wo große Schneekatzen die aus Österreich herbeigeschaffte weiße Pracht verteilen. "Schließlich wollen wir am 7. Januar die Anlage eröffnen", schließt Girardelli das kurze Gespräch und entschwindet in dem imposanten Bauwerk auf der Halde in Bottrop. Spätestens ab dem ersten Sonntag des neuen Jahres sollen die Skifans im Ruhrpott auf ihre Kosten kommen und unter dem Dach der bald 600 Meter langen Halle dem Pistenspaß frönen.

Bis dahin hat der Ski-Star allerdings noch das eine oder andere Problem zu lösen. Der Streit mit seinem angeblichen Geschäftspartner in Belgien zählt in diesen Zusammenhang zu den einfacheren Übungen. Ricky Mollin heißt der Mann und hat den Zeitpunkt seiner öffentlichen Anklage geschickt gewählt. Girardelli hatte jede Menge ungünstige Presse, weil er den avisierten Eröffnungstermin am 16. Dezember unter anderem wegen Schneemangels und anderer baulicher Mängel nicht halten konnte. Da gab Ricky Mollin dem örtlichen Radiosender ein Interview und beschuldigte Girardelli, sich nicht an Absprachen zu halten und Verträge gebrochen zu haben. Mollin hat schon vor 13 Jahren in Antwerpen ein Skihalle eröffnet. Girardelli, das zumindest behauptet Mollin, habe sein Wissen unter anderem für die Herstellung des Kunstschnees genutzt und ihn als Partner bezeichnet, um den Einstieg in die Branche zu bekommen. "Drei Jahre arbeiteten wir zusammen", behauptet Mollin, "es gab allerdings keine Verträge, nur Absichtserklärungen". Erst nachdem Girardelli die Verträge in Bottrop unterzeichnet hatte, habe er die Kooperation mit ihm eingestellt.

Girardelli schüttelt den Kopf ob solcher Anwürfe. "Das Patent für Kunstschnee ist schon lange abgelaufen, außerdem bekomme ich noch Geld von Mollin", setzt er gegen den Belgier. Und dann spricht er davon, wie er jetzt den Schnee herbeischafft. Pausenlos rollen Lastwagen aus dem österreichischen Kaunertal in die Halle, sie bringen die weiße Fracht aus 2200 Meter nach Bottrop. Zusätzlich hat man eine Anlage für den Kunstschnee, aber bei den hohen Temperaturen der vergangenen Wochen reichte deren Kapazität einfach nicht aus.

Natürlich wirkt sich der aufgeschobene Eröffnungstermin genauso wie die Schneeaktion aus Österreich auf den Finanzplan aus, aber Girardelli bleibt optimistisch. Eine halbe Million Besucher braucht er im kommenden Jahr. Sollten es wirklich so viele Skibegeisterte werden, will man ab 2004 schwarze Zahlen schreiben.

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