Marl : Psychisch Kranker nimmt Geisel

Aus Angst um eine Zurückverlegung in den Maßregelvollzug, bringt ein 45-Jähriger am Mittwochmorgen eine ältere Frau in seine Gewalt und bedroht sie mit einem Messer. Entgegen der Angaben der Polizei handelt es sich bei dem Mann nicht um einen Strafgefangenen.

Markus Peters[ddp]
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Die Polizei im Einsatz im offenen Vollzug in Marl. -Foto: dpa

MarlEine Geiselnahme in einem Wohnheim der Caritas im nordrhein-westfälischen Marl ist am Mittwochmorgen unblutig beendet worden. Ein 45-jähriger Mann hatte über zwei Stunden eine Frau in seine Gewalt genommen. Nach Angaben eines Polizeisprechers bedrohte der Täter die Frau mit einem Messer. Nach einem Gespräch mit seinem behandelnden Arzt gab der Mann auf und legte die Waffe weg. Anschließend konnte er von Spezialkräften der Polizei festgenommen werden. Die 52-jährige Frau blieb ebenso wie der Mann unverletzt.

Bei dem Täter handelt es sich entgegen ersten Angaben der Polizei nicht um einen Strafgefangenen im offenen Vollzug. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Essen mitteilte, war der Mann 1996 vom Landgericht Dortmund wegen mehrerer Delikte zur Unterbringung in den Maßregelvollzug für psychisch kranke Straftäter verurteilt worden. Von dieser Unterbringung war der Mann seit 2004 beurlaubt und lebte seitdem in dem Marler Wohnheim für Menschen mit psychischen Problemen. Dabei handle es sich nicht um eine Einrichtung des offenen Strafvollzugs, betonte der Sprecher.

Weil der Mann zuletzt an einer akuten psychischen Krise litt, war seine Zurückverlegung in den Maßregelvollzug erwogen worden. Dies sollte am Mittwochmorgen mit dem Patienten besprochen werden. Dabei kam es zu der Geiselnahme. Entgegen ersten Angaben der Polizei handelte es sich bei dem Opfer auch nicht um eine Mitbewohnerin des Mannes, sondern um eine Betreuerin aus dem Wohnheim.

Während der Tat hielten sich vier weitere psychisch kranke Bewohner in dem Wohnheim auf, die ständig von Spezialkräften der Polizei betreut wurden. Unmittelbar nach der Aufgabe des Täters kümmerte sich ein psychosoziales Unterstützungsteam um diese Bewohner.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot am Ort des Geschehens, darunter waren auch Experten für Verhandlungen mit Geiselnehmern. Von einer typischen Geiselnahme mit hohen Forderungen wollte die Polizei aber nicht sprechen. Neben seiner Forderung nach dem Verbleib in dem Wohnheim habe der Täter lediglich fünf Flaschen Bier verlangt. Auch hatte er gebeten, in seinen Geburtsort Castrop-Rauxel gebracht zu werden.

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