Welt : Marokko auf Brautschau

Kurz vor der Hochzeit des marokkanischen Königs Mohammed VI. und der Informatik-Ingenieurin Salma Bennani hat der Palast in Rabat erstmals in der Geschichte des Landes Fotos einer Königsbraut veröffentlicht. Die am Donnerstag von der Presse gedruckten Bilder zeigen den 38-jährigen Monarchen im traditionellen Dschellaba-Gewand und seine 24 Jahre alte Verlobte in einem hellblauen, reich verzierten Kleid. Auf eine Bestätigung der Hochzeit mussten die Marokkaner aber warten: Zunächst gab es kein offizielles Kommuniqué von der Zeremonie, bei der nach islamischen Recht ein Ehevertrag unterzeichnet wird. Dieser legt auch die Höhe der so genannten Morgengabe, den zu zahlenden "Brautpreis", fest.

Dennoch brach Mohammed VI. mit der Veröffentlichung der Bilder mit der traditionellen Geheimhaltung des Hofes in familiären Angelegenheiten. Von seiner Mutter, der Ehefrau seines 1999 gestorbenen Vaters Hassan II., gab es nie ein offizielles Foto. Lalla Abla ist dem Volk deshalb praktisch unbekannt. Die marokkanische Zeitung "Libération" sprach nun von einem "historischen und symbolischen" Ereignis. Die Frauen in dem nordafrikanischen Alawiten-Reich hätten somit eine nie da gewesene Anerkennung erfahren. Andere Blätter bezeichneten den Schritt als "Revolution" und wagten die Prognose, Salma werde entgegen der Tradition sogar eine "öffentliche Rolle" spielen.

Im ganzen Land suchen nun junge Marokkanerinnen im Internet nach dem einzigen verfügbaren Foto der königlichen Braut. Es zeigt eine groß gewachsene, schlanke Frau mit rötlichen Haaren. "Welch eine Schönheit!", begeistert sich die Bankangestellte Ibtissam in der Wirtschaftsmetropole Casablanca. Sie hat sich bereits ebenfalls die Haare rot färben lassen, damit sie der Braut des Königs ein wenig ähnlich sieht, denn bald wird diese für viele Marokkanerinnen als Schönheitsideal gelten.

Das Paar hatte sich vor knapp drei Jahren kennen gelernt. Salma war damals für Marokkos mächtige Unternehmensgruppe ONA tätig, bei dem die Königsfamilie Hauptaktionär ist. Die junge Frau mit der schlanken Figur, den rötlichen Haaren und den honigfarbenen Augen, die meistens in Jeans zur Arbeit ging, sei Mohammed wegen ihrer schlichten Eleganz und Natürlichkeit aufgefallen, heißt es. Sie sei genau das Gegenteil der früheren Freundin des Monarchen gewesen, die sich am liebsten in modischen Lederjacken und "Hippie-Look" gezeigt habe. Wenngleich ein Teil der Bennanis eine wohlhabende Familie ist, wuchs die als eigenständig geltende Salma in eher einfachen Verhältnissen im Norden des Landes auf. Ihr Vater ist pensionierter Hochschullehrer.

Das Hochzeitsfest soll vom 12. bis 14. April in der Touristenhochburg Marrakesch stattfinden. Nach altem Brauch werden dort dann gleichzeitig 400 weitere Paare aus allen Schichten heiraten. Zu dem Fest werden auch Mitglieder anderer arabischer und europäischer Königshäuser erwartet.

"Lalla (Frau) Salma" wird künftig den Titel "Prinzessin" tragen. Königin wird sie aber nie sein. "Im Islam gibt es keine Königin, und in Marokko steht dies auch nicht zur Debatte", stellte König Mohammed jüngst in einem Interview klar. Wenngleich der junge Monarch damit sein Festhalten an alten Traditionen unterstrich, so ist auch die Tatsache, dass die Hochzeit öffentlich angekündigt wurde, ein Novum. Zwei Tage vor der Zeremonie in Rabat gab "M 6", wie der König im Volksmund genannt wird, sogar die genauen Termine seiner Heirat mit der "in ihrer Keuschheit, Tugend und Edelmut strahlenden Perle Lalla Salma" bekannt.

Die Ehe hat auch politische Tragweite. Zum einen ist sie Voraussetzung dafür, dass Mohammed als "Führer der Gläubigen" und damit als religiöses Oberhaupt voll anerkannt wird. Zum anderen kann das Land endlich auf einen Sohn Mohammeds als direkten Nachfolger hoffen. Derzeit steht noch sein Bruder Mulay Rachid in der Thronfolge an erster Stelle.

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