Welt : Mars ruft

Wettkampf von Europäern und Amerikanern, denen die erfahrenen Russen helfen – wer findet zuerst Lebensspuren?

Thomas de Padova

Mitte der 70er Jahre landeten zwei amerikanische Roboter auf dem Mars und streckten ihre Greifarme aus. Sie suchten im Marsboden nach Mirkoorganismen, bekamen aber nur Sand und Staub zu fassen. Die Amerikaner fanden nicht, was sie suchten: Anzeichen von Leben.

Die Amerikaner haben einen Vorsprung. Nun wollen es die Europäer mit modernerer Technik auch einmal probieren. Voraussichtlich am 2. Juni schicken sie ein Raumfahrzeug zum Mars, das Ende des Jahres dort ankommen wird. Und ein Ziel dabei ist es wieder, nach Lebensspuren zu suchen: diesmal allerdings nach Überresten von Mikroben, die den Nachbarplaneten der Erde möglicherweise vor drei Milliarden Jahren oder noch früher besiedelt haben könnten. Solche Relikte könnten auf dem vulkanisch weniger aktiven Mars länger überdauert haben als vergleichbare Zeugnisse frühen Lebens auf der Erde. Im Dezember oder Januar soll sich das kleine, 60 Kilogramm schwere Landegerät von der Raumsonde „Mars Express“ trennen und mit Hilfe von Fallschirmen und Airbags so langsam zur Oberfläche herabsinken, dass es nicht zerschellt. Der unbewegliche Lander wird mit einem Bohrer in den Marsboden eindringen. Er soll darin vor allem nach Häufungen von leichtem Kohlenstoff suchen, dem wichtigsten Biomarker. Währenddessen hält ein Orbiter in der Umlaufbahn die Stellung. Er funkt dann die Ergebnisse der Bodenmessungen zur Erde und macht dreidimensionale Bilder von der gesamten Marsoberfläche.

Die USA senden zur selben Zeit zwei bewegliche Roboterfahrzeuge zum Mars: zwei richtige Feldgeologen mit Lupe und Gesteinsschleifer. Die Nasa, die sich bei dem von den Europäern aufgenommenen Wettkampf von den erfahrenen Russen unterstützen lässt, setzt damit ihre Tradition fort, die Suche nach Leben vorerst so lange aufzuschieben, bis die Herkunft des Marsgesteins geklärt ist. Schon im Sommer 1997 setzte die Nasa ein Roboterfahrzeug auf dem Mars ab, das erstmals Marsgestein analysierte.

Denn noch ist nicht einmal genau bekannt, wo auf dem Mars einst Wasser geflossen sein könnte. Die beiden Rover sollen daher in der Nähe des Äquators landen, wo Wissenschaftler einstige Wasserläufe vermuten. Ein Rover landet in einem Krater, in dem Forscher die Überreste eines ausgetrockneten Sees meinen erkennen zu können. Die Europäer könnten der Nasa nun mit einem vergleichsweise simplen Experiment die Show stehlen. Aber dazu benötigen sie viel Glück. Bisher haben sie den Mars noch nie erreicht.

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