Welt : Mehr als ein Wurm ärgert Microsoft

Der Kampf gegen Computerviren kostet den Konzern und die gesamte Wirtschaft Milliarden – viele Unternehmen sind das Stopfen von Sicherheitslücken leid

Kurt Sagatz

Im Kampf gegen immer neue PC-Schädlinge, Hackerattacken und die ansteigende Flut von Spam-Mails steht Microsoft mit dem Rücken zur Wand. Da auf weit über 90 Prozent aller Schreibtisch-Computer und Laptops das Betriebssystem aus Redmond läuft, fällt jede erfolgreiche Virenwelle und jeder Angriff auf das Internet automatisch auf Microsoft zurück.

Längst kostet es die Wirtschaft Milliarden, die Schäden der Computerviren zu beseitigen. Und auch die Entfernung von unerwünschten Werbemails frisst Zeit und finanzielle Mittel. Darum geht es längst nicht mehr nur um den Ruf von Microsoft, sondern auch um Geld, viel Geld. Seit Jahresbeginn ging der Kurs der Microsoft-Aktie um mehr als vier Prozent zurück. Im Vorjahr hatte sie noch um über sechs Prozent zugelegt, berichtete unlängst die „Netzeitung". Dabei hat Microsoft die Gefahren, die von den ständigen Angriffen auf die eigene Software ausgeht, längst erkannt. Anfang letzten Jahres rief Bill Gates eine Initiative für „vertrauenswürdiges Computing" aus. Alle anderen Entwicklungen sollten hinter der großen Aufgabe, Windows und die anderen Programme aus dem Hause Microsoft sicherer zu machen, zurückstehen, versprach Microsoft-Chef Bill Gates.

Sämtliche Programmcodes sollten noch einmal einer strengen Prüfung unterzogen werden, damit die genervten Computeranwender endlich wieder in Ruhe ihrer Arbeit oder ihrer Freizeitbeschäftigung nachgehen können. Doch selbst damit wurde das Problem nicht gelöst. Denn die immer neuen Updates, die Microsoft jeden Monat veröffentlicht, zeigen wie im Fall „Sasser“ den Virenprogrammierern offensichtlich erst jene interessanten Schwachstellen auf, die sie für ihre Angriffe missbrauchen. Doch die Nacharbeiten der Microsoft-Programmierer haben noch einen anderen Preis, denn die Entwicklung neuer Produkte ist inzwischen einschlägigen Medienberichten zufolge arg ins Stocken geraten. Der Nachfolger des derzeit aktuellen Windows-Betriebssystems soll erst Mitte nächsten Jahres auf den Markt kommen, also erst fünf Jahre nach der Veröffentlichung von Windows XP.

Prozess um Marktmissbrauch

Wie der Nachrichtendienst Bloomberg erst am Freitag mitteilte, bleibt der späte Start von „Longhorn" nicht ohne Folge für den Umsatz. Statt eines Wachstums von sonst 13 Prozent rechne offenbar selbst Microsoft mit einem Einbruch auf nur noch 3,4 Prozent Plus für das kommende Geschäftsjahr, wie Bloomberg berichtet. In vielen Firmen und Behörden ist man das ständige Stopfen von neuen Sicherheitslücken leid. Im Markt für Server hat sich Microsoft-Konkurrent Linux inzwischen ein großes Stück des Kuchens herausgeschnitten.

Bill Gates ist in Teilen der Computerszene der unbeliebteste Software-Produzent mit den meisten Hass-Seiten im Internet. Die Antipathie gegen Gates und Microsoft reicht bis in die 80er Jahre hinein, als Gates den Grundstein für den geschäftlichen Erfolg legte. Microsoft wurde vorgeworfen, die erste Version des Betriebssystemes DOS, die sich anfangs auf jedem von IBM produzierten PC befand, nicht selbst entwickelt, sondern für einen geringen Betrag erworben zu haben.

Außerdem wurde dem Microsoft-Konzern vorgeworfen, seine Marktmacht missbraucht zu haben. In den USA wurde Microsoft vorgeworfen, in den 90er Jahren massiv den Konkurrenten Netscape mit seinem Internet-Programm Navigator behindert zu haben. Nur mit Mühe konnte Microsoft bei diesem Gerichtsverfahren die Zerschlagung des Unternehmens verhindern. Noch nicht ausgestanden ist das Verfahren in Europa, bei dem die EU-Kommission weiterhin darauf drängt, dass Microsoft sein Multimedia-Programm Media Player aus Windows entfernt, um den Wettbewerb nicht zu behindern.

Nach Meinung vieler Microsoft-Kritiker sind die Programme von Microsoft fehleranfälliger als die der Konkurrenz. Vor allem aus dem Lager der Linux-Anhänger wird angeführt, dass die abgeschottete Entwicklung von Microsoft-Programmen dazu führt, dass sicherheitsrelevante Fehler nicht frühzeitig erkannt und behoben werden können.

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