Welt : Mehr Sonnenlischt. Bitte

Die Grup Tekkan sucht in Berlin nach Traumfrauen

Yasmin El-Sharif

Egal wo Ismail, Selcuk und Fatih auftauchen, findet ein riesiger Medienzirkus statt. So auch gestern in Berlin, als die drei sympathisch-unbegabten Provinzsänger der Grup Tekkan ihre erste Single „Wo bist du, mein Sonnenlicht?“ herausbrachten. Passend zum Erscheinen ihres Songs trugen sich die drei Deutschtürken aus dem pfälzischen Germersheim in das Datingportal „iLove“ ein.

„Wir sind alle noch Singles. Und da wir gerade so viel unterwegs sind, ist die Suche nach der Traumfrau echt schwer“, sagt Ismail medienwirksam, der auch am meisten redet.

Vielleicht liegt es daran, dass er mit seinen 18 Jahren ein Jahr älter ist als seine beiden Freunde. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass er ein bisschen besser Deutsch spricht als sie. Aber gerade die erstaunlich schlechte Aussprache der in Deutschland geborenen Türken scheint ihren Charme und Erfolg auszumachen. Die Jungen wirken ungekünstelt, wenn sie singen und wenn sie reden. An ihnen scheint bisher nichts von der großen Aufregung um sie herum hängen geblieben zu sein. Das ist erfrischend anders im Vergleich mit den überschminkten Emporkömmlingen, die man aus „Deutschland sucht den Superstar“ kennt.

Das haben wohl auch die Firmen erkannt, die mit „Grup Tekkan“ Verträge abgeschlossen haben. Doch die Jungen wirken ahnungslos. Auf die Frage, wie sie sich ihren Erfolg erklären, antworten sie achselzuckend, vielleicht weil ihnen Musik Spaß mache. Sabine Willing von ihrer Plattenfirma Popstar Recordings fügt schnell hinzu: „Weil sie so charmant sind.“

Charmant, unverbraucht und jung. Damit lässt sich offenbar ein gutes Geschäft machen. Bevor Popstar Recording den Zuschlag bekam, hatte auch schon Universal Music angeklopft. Doch die drei winkten ab. Der Medienkonzern war zu groß für die Jungs aus der Provinz.

Auch das Berliner Unternehmen Jamba hat das Geschäft mit den Jungs gewittert. So verdient sich Jamba, das auch hinter „iLove“ steckt, derzeit mit dem Sonnenlicht-Song als Klingelton vermutlich eine goldene Nase.

Man muss offensichtlich nicht schön sein. Man muss noch nicht einmal singen können. Oder gar Deutsch. Und man braucht auch keinen Dieter Bohlen, um heute ein Popstar zu werden. Ismail, Selcuk und Fatih haben vorgemacht, wie es anders geht. Ihr Song hat sie von heute auf morgen berühmt gemacht – fast ohne ihr Dazutun.

Ein vor einem Jahr für ein Jugendprojekt gedrehter Videoclip, in dem die Jungs singen und tanzen, gelangte auf unbekanntem Weg ins Internet. Dort verbreitete sich der Song in einem rasend schnellen Tempo. Was bei den Internetusern letztlich fast schon Kultstatus erlangte, haben vor einigen Wochen schließlich auch die Medien entdeckt. Die Zeitschrift „Bunte“ führte ein Interview mit den jungen Sängern, und Stefan Raab lud sie in seine Sendung „TV Total“ ein. Das war der Durchbruch.

Die drei Popstars sagen, dass es ihnen egal sei, wie gut sich ihre Musik verkaufe, Hauptsache, es mache Spaß. Sabine Willing von Popstar Recordings dagegen sagt, man erhoffe sich „das Beste“. Dass dafür alle ihr Bestes geben, zeigt der Terminkalender, denn von „iLove“ aus eilen sie zu ihrem nächsten Termin – beim türkischen Sender TD1.

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