Welt : Mein Garten Eden: Knochenmehl im Gemüsebeet

Ursula Friedrich

Das so genannte Ausdauernde Gänseblümchen (Bellis perennis) ist eine der hübschesten wildwachsenden Blumen auf dem Feld und im Garten. Seine weißen Blütenköpfchen mit zartrosa Spitzen, die so aussehen, als schämten sie sich für irgendwas, erscheinen unermüdlich vom zeitigen Frühjahr bis in den Winter hinein und nach dem Verschwinden des Schnees gleich wieder. Vielleicht schämt sich das Gänseblümchen wirklich dafür, dass es dem Menschen so schrecklich unwillkommen ist. Sehr viele Gärtner bekämpfen es mit brutalen Mitteln, mit Gift und spitzen Messern, es ist ihnen ein Dorn im Auge, ein Schandfleck auf ihrem Rasen, ein lästiges Unkraut. Nach getanem Werk gehen sie ins Garten-Center und kaufen gezüchtete Gänseblümchen namens Maßliebchen oder Tausendschön, setzen sie in Balkonkästen und sind glücklich.

Der Mensch spinnt. Oder vielleicht nicht? Aber nun zum eigentlichen Thema dieser Kolumne: Gartendünger. Das Gänseblümchen steht hier nur, weil es sich gut fotografieren lässt und somit zur Illustration eignet, Dünger hingegen nicht. Dabei ist das Düngerthema momentan wahnsinnig wichtig, es brennt auf den Nägeln. Keine Gartenzeitschrift, keine Gartensendung, die es nicht behandelt: Was dürfen unsere Pflanzen essen? Ein Blick in mein Gartenhäuschen zeigt die Gefahren auf: da stehen vom letzten Jahr noch angebrochene Säcke mit Blutmehl, Knochenmehl, Hornspänen. Die Gärtnerin macht die Augen zu und wendet sich ab wie vor der Wursttheke beim Metzger.

Welche Dünger sind unbedenklich? Natürlich wäre da in erster Linie der Mineraldünger - Blaukorn, das ich eigentlich schon lange nicht mehr verwende. Es galt ja bisher als total nicht-bio. Ferner werden pflanzliche Dünger wie Rizinus- oder Sesamschrot empfohlen. Muss ich sowas im Reformhaus kaufen? Nein, gibt es mittlerweile auch in Gartenfachabteilungen, habe ich herausgefunden. Vor Knochen- und Blutmehl wird gewarnt. Hornspäne sind bedingt verwendbar nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Rinderdung? Der schöne schwarze Mist, durchsetzt mit verrottetem Stroh, den ich bisher von einem der wenigen Bauern geliefert bekam, die in ihren Ställen noch Streu verwenden? Hm. Nicht völlig unumstritten.

Gründüngung wird angeraten, hauseigener Kompost, Guano (sehr teuer) und sonstige Geflügelkotprodukte. Pferdemist ist erlaubt, Brennnesseljauche auch. Manche handelsüblichen organischen Dünger sind inzwischen verboten, weil sie nachweislich Fleischmehl enthalten. Knochenmehl darf nur dann gegeben werden, wenn es drucksterilisiert wurde und auf 133 Grad erhitzt. Und von der EU offiziell als unbedenklich eingestuft ist.

Steht überall dran. Man braucht halt eine scharfe Brille beim Einkauf. Ach je. Ich sehe mich bereits in der Küche stehen und Truthahnschnitzel braten für die Rosen, Soja und Sesam schroten, Hafermüsli rühren fürs Gemüsebeet ... Aber auf die Wiese darf ich Blutmehl doch streuen, oder? Da fallen mir meine vielen Gänseblümchen ein, deren klein gehackte Blättchen ich im Frühling gern unter den Quark mische ... Was ist, wenn sie sich mit BSE anstecken? Elend zugrunde gehen? Nein, das darf ich ihnen nicht antun, meinen Bellis perennis. Lieber fahre ich das Blutmehl zur Sondermüllsammelstelle.

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