Milchskandal : Melamin-Spuren in Keksen gefunden

In den Niederlanden sind Melamin-Spuren in Keksen gefunden worden, die aus China importiert wurden. Bundesverbraucherminister Seehofer stoppte unterdessen den Import von Babynahrung aus China. Auch im Milchtee-Pulver der Marke Lipton sei Melamin entdeckt worden.

Berlin/PekingDie niederländischen Behörden haben in Import-Keksen aus China Spuren der Industriechemikalie Melamin entdeckt. Die Sorten Nuss und Schokolade der Keks-Marke "Koala" seien vom Markt genommen worden, teilte die Lebensmittelaufsicht in Den Haag am Dienstag mit. Der britisch-niederländische Konzern Unilever stellte in Hongkong den Verkauf des Milchtee-Pulvers der Marke Lipton wegen Melamin-Spuren ein.

Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) hat per Eilverordnung ein umfassendes EU-Einfuhrverbot für Babynahrung aus China erlassen. Andere Lebensmittel aus der Volksrepublik dürfen nur eingeführt werden, wenn sie zuvor untersucht worden seien, erklärte das Ministerium. Damit treten EU-Maßnahmen in Kraft, teilte das Verbraucherministerium am Dienstag in Berlin mit. In Deutschland wurde bisher kein verseuchtes Milchpulver aus China gefunden. "Es gibt zurzeit keine Hinweise, dass Melamin-belastete Lebensmittel aus China nach Deutschland gelangt sind." In China nahm die Polizei laut staatlichen Medienberichten weitere 27 Verdächtige im Milchskandal fest.

Gift in Koala-Keksen
  
Die "Koala"-Kekse in den Niederlanden wurden den Angaben zufolge in chinesischen Geschäften verkauft. Die nachgewiesene Melamin-Menge sei jedoch gering, es bestehe nur ein "extrem kleines" Risiko. "Nur der tägliche Verzehr von zwei Kilogramm dieser Kekse würde Kinder gefährden", erklärte die Lebensmittelaufsicht.
  
Auch im Milchtee-Pulver der Marke Lipton seien "geringe Mengen" Melamin entdeckt worden, sagte ein Unilever-Sprecher. Das Produkt sei in Hongkong hergestellt sowie in Hongkong und Macau verkauft worden. Insgesamt habe das Unternehmen "einige Tausend Boxen" des Pulvers zurückgerufen. Der US-Lebensmittelkonzern Heinz teilte unterdessen mit, in seinen in China und Hongkong verkauften Produkten keine Milch aus chinesischer Herstellung mehr zu verwenden.
  
Die Zeitung "China Daily" berichtete, dass seit dem Beginn der Ermittlungen bislang 36 Verdächtige gefasst worden seien. In 31 Provinzen des Landes seien Arbeitsgruppen eingerichtet worden, die das gesamte System der Milchproduktion und -vermarktung überprüfen und reformieren sollen. Landwirtschaftsminister Sun Zhengcai sagte der "Volkszeitung", die Regierung werde der Praxis der Melaminbeimischung zur Frischmilch ein Ende setzen.

Mindestens 53.000 Kinder erkrankten
  
An der verseuchten Milch starben in China vier Kinder, mindestens 53.000 Kinder erkrankten, weltweit mussten zahlreiche Lebensmittel aus dem Handel genommen werden. Zunächst war die Chemikalie in Babymilchpulver entdeckt worden, später aber auch in Frischmilch, Joghurt, Süßigkeiten und anderen Produkten. (yr/dpa/AFP)
  
  


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