Missbrauchs-Prozess : Mit verstärktem Anwaltsteam hofft Marco auf Freilassung

Aller guten Dinge sind drei: Marcos Verteidigung setzt auf den morgigen dritten Verhandlungstag große Hoffnung. Der 17-jährige Junge aus Uelzen, dem vorgeworfen wird eine minderjährige Britin missbraucht zu haben, könnte Donnerstag aus der Untersuchungshaft in der Türkei entlassen werden.

Marco W. Foto: dpa
Marco W. in türkischer Haft. -Foto: dpa

AntalyaNach fünf Monaten Untersuchungshaft hofft der 17-jährige Marco aus Uelzen, an diesem Donnerstag aus der Untersuchungshaft in Antalya entlassen zu werden. Für den dritten Verhandlungstag vor dem türkischen Gericht ist sein Verteidigerteam um zwei Anwälte aus Hannover und einen türkischen Kollegen verstärkt worden. Ziel sei die Freilassung Marcos, sagte Rechtsanwalt Matthias Waldraff in Antalya. Er war vor zweieinhalb Wochen in die Verteidigung eingeschaltet worden. Dem 17-Jährigen wird vorgeworfen, eine 13-jährige Britin sexuell missbraucht zu haben.

"Marco fiebert dem morgigen Tag entgegen", sagte Waldraff. Die Eltern seien sehr aufgeregt. Was die Verfahrensdauer angehe, sei der Fall in Deutschland so nicht vorstellbar, sagte der Anwalt. Die gesetzlichen Grundlagen seien aber vergleichbar. Er habe Vertrauen in die türkische Justiz. Äußerungen deutscher Politiker hätten dem Ablauf des Verfahrens nicht genützt, sagte er. "Das hat und kann einem Verfahren nur schaden", sagte Waldraff.

Den Namen des türkischen Strafverteidigers wollte er noch nicht nennen. Auch blieb unklar, ob eine Aussage der Britin vorlag, die mit einem türkischen Rechtshilfeersuchen eingeholt werden sollte.

Aussagen des Klinikarztes stützten Unschuldsvermutung

Der Gutachter und Klinikarzt Levent Hekim hatte Anfang August nach seiner Vernehmung in Antalya vor Journalisten gesagt, er habe das Mädchen noch in der Nacht nach dem Treffen mit Marco untersucht und keine Anzeichen für eine Vergewaltigung entdeckt. Auch habe es keinen Geschlechtsverkehr gegeben. Allerdings habe er Spermaspuren gefunden. Hekim sagte, die 13-jährige Charlotte habe seine Frage, ob Marco ihr Gewalt angetan habe, verneint. Im Gegenteil, das Mädchen habe ihm gesagt, es habe Marco in das Zimmer eingeladen.

Marco und Charlotte hatten sich im Badeort Side kennengelernt und waren nach einem Discoabend mit anderen Jugendlichen im Hotelzimmer der 13-Jährigen gelandet. Die Initiative zu den Zärtlichkeiten sei von dem Mädchen ausgegangen, das sich als älter ausgegeben habe, sagte Marco. Sie habe ihr Alter mit 15 angegeben. Marco sitzt seit Ostern in Untersuchungshaft. (mit dpa)

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