München/ Thailand : Mutmaßlicher Erpresser von Banker-Ehefrau gefasst

Noch ist der Mann nicht vernommen, er sitzt erst einmal in Thailand im Gefängnis. Er steht unter Verdacht eine bayerische Bankersgattin gekidnappt zu haben. Laut einem Ermittler hat die Vorratsdatenspeicherung wesentlich zu dem Ermittlungserfolg beigetragen.

Mit diesem Foto aus einer Videoüberwachung fahndete die Polizei München nach dem mutmaßlichen Entführer.
Mit diesem Foto aus einer Videoüberwachung fahndete die Polizei München nach dem mutmaßlichen Entführer.Foto: Polizeipräsidium München/dpa

Der mutmaßliche Entführer einer Banker-Ehefrau aus Ottobrunn bei München sitzt in Thailand in Abschiebehaft. Der 52 Jahre alte Mann sei am Freitag in dem asiatischen Land festgenommen worden, teilte die Polizei am Montag mit. Er soll vor knapp drei Wochen die 46 Jahre alte Frau gekidnappt und eine Millionensumme Lösegeld verlangt haben. Wann er nach Deutschland überstellt werde, sei noch offen, sagte der Leiter der Münchner Mordkommission, Markus Kraus. Der Mann sei noch am Tattag in ein Flugzeug Richtung Thailand gestiegen. „Schlecht war er nicht - aber besser waren wir.“ Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Freiheitsberaubung, erpresserischen Menschenraubs und versuchter schwerer Erpressung; damit drohen dem aus Nordrhein-Westfalen stammenden Beschuldigten 5 bis 15 Jahre Haft.

Der Täter hatte am Morgen des 10. Juni die Ehefrau eines Sparkassenmanagers in ihrem Haus in Ottobrunn überfallen, mit einer Pistole - vermutlich eine Softair-Waffe - bedroht und mit deren Auto entführt. Den Sohn ließ er gefesselt zurück. Als der Mann auf einem Parkplatz in München hielt, konnte sich die Frau losreißen und flüchten. Er wurde sowohl auf dem Parkplatz als auch in der S-Bahn auf dem Weg zu der Tat von Videokameras gefilmt. Die Bilder zeigen einen Mann mit Bart. Inzwischen habe sich der Tatverdächtige den Bart abrasiert, sagte Kraus. Das habe für Zeugen ein Wiedererkennen erschwert; entsprechende Hinweise seien fast alle ins Leere gelaufen. „Wir gehen davon aus, dass er sich den Bart gezielt hat wachsen lassen“, sagte der Ermittler. „Der Bart ist besser als eine Sturmhaube.“

Vor allem die Vorratsdatenspeicherung habe wesentlich zu dem Ermittlungserfolg beigetragen, betonte Kraus, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. Das sei ein weiterer Beweis, dass „diese Datenspeicherungen nicht unnötig geschehen, sondern Sinn machen“. Der Festgenommene wohnt seit einigen Jahren mit seiner Frau in Nordthailand. Wovon er dort lebt, wurde bisher nicht bekannt. Die Ermittler schließen nicht aus, dass der Mann eigens nach München reiste und dort für fünf Wochen eine Wohnung mietete, um mit der Entführung der Bankersgattin an Geld zu kommen.

Wieso der Mann die 46-Jährige aus Ottobrunn auswählte, ist offen. „Derzeit haben wir keine Hinweise darauf, warum sich der Beschuldigte diese Geschädigte ausgesucht hat“, sagte Staatsanwältin Judith Henkel. Der Tatverdächtige sei international zur Fahndung ausgeschrieben worden. Über die deutsche Botschaft und die Behörden in Bangkok sei ihm der Pass entzogen worden. Damit sei er illegal im Land gewesen und konnte festgenommen werden. (dpa)

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