Münsterland : Vierte Nacht ohne Strom

Mehr als 90.000 Menschen im Münsterland haben die Nacht erneut ohne Strom verbracht. Inzwischen entspannt sich die Lage.

Münster - Nach vier Tagen bangen Wartens sind am Dienstag die meisten Haushalte im Münsterland wieder ans Stromnetz angeschlossen worden. Am Vormittag waren noch 25.000 Menschen ohne elektrische Energie, sagte der Sprecher des Krisenstabes bei der Bezirksregierung Münster, Stefan Bergmann. Am Wochenende war die Zahl der Betroffenen noch zehn Mal so hoch. Betroffen seien jetzt noch vor allem entlegene Gehöfte und einzelne Wohnsiedlungen in den Außenbereichen der Ortschaften.

Unterdessen ging die Aufarbeitung des folgenschwersten Stromausfalles in der deutschen Nachkriegsgeschichte mit Kritik am Netzbetreiber RWE weiter. Die Bundesnetzagentur hat den Versorger zur Aufklärung der massiven Stromausfälle im Münsterland aufgefordert. Ein entsprechendes Schreiben sei an den Konzern gegangen, sagte ein Sprecher der für die Energieregulierung zuständigen Bundesbehörde am Dienstag in Bonn. RWE müsse den Sachverhalt und die Ursachen für den Ausfall untersuchen und darlegen.

Kritiker bemängeln, die Masten und Leitungen seien nicht standfest genug gewesen. RWE weist die Vorwürfe zurück. Die Technik entspreche neuestem Standard und sei vergleichbar mit Anlagen, die auch in Regionen mit schneereichen Wintern wie Bayern oder Österreich verwendet werden. Es handele sich um einen Fall höherer Gewalt. Das Unternehmen könne deshalb nicht für aufgetretene Schäden haften.

Am Wochenende waren im Münsterland bis zu 250.000 Menschen ohne Strom, nachdem am Freitag und Samstag heftige Schneefälle im Zusammenspiel mit Sturmböen 50 Hochspannungsmasten von RWE einknicken ließen. Die Menschen harrten zum Teil vier Nächte lang bei Kerzenlicht und ohne funktionierende Heizung aus.

750 Notstromaggregate und Ersatzleitungen sichern nach Angaben des Krisenstabes inzwischen weitgehend die Versorgung. «Wir appellieren, möglichst Strom zu sparen», sagte der Krisenstab-Sprecher. Je weniger Energie abgenommen werde, desto stabiler seien die provisorischen Netze. Bei vielen der immer noch vom Stromausfall betroffenen Menschen macht sich inzwischen auch Frustration breit. Das Verständnis für die technischen Probleme sinkt. «Ständig hört man Neues im Radio und immer ist alles wieder anders», sagte ein Betroffener am Dienstag.

Zwei Bergepanzer der Bundeswehr und Feuerwehr-Kräne stützen seit Mitternacht einen Strommast in Horstmar-Leer (Kreis Steinfurt). Der Mast drohte am Montag einzustürzen. Deshalb mussten vorübergehend 500 Menschen ihre Wohnungen räumen und die Stromversorgung für 40.000 Menschen unterbrochen werden. Die Leitungen konnten inzwischen wieder freigeschaltet werden. Auch die Stadt Ochtrup, lange Zeit ein Schwerpunkt des Stromausfalles, ist nach Angaben des Krisenstabes zu 80 Prozent wieder versorgt.

Wegen Reparaturarbeiten an einer am Wochenende wegen zu hoher Eislast gekappten Hochspannungsleitung über die A 31 muss die Autobahn ab Mittag immer wieder für kurze Zeit gesperrt werden. Verkehrsbehinderungen werden nicht ausgeschlossen. (tso/dpa)

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