• Nach der Buchveröffentlichung: Anwalt von Marco Weiss glaubt weiterhin an Freispruch

Nach der Buchveröffentlichung : Anwalt von Marco Weiss glaubt weiterhin an Freispruch

Weil Marco Weiss ein Buch über seine Zeit in türkischer Untersuchungshaft veröffentlichte, legten seine beiden deutschen Anwälte ihr Mandat nieder. Sein neuer Anwalt glaubt hingegen nicht, dass das Buch nachteilige Auswirkungen auf den Prozess haben könnte.

Marco W.
Schadet er sich selbst? Marco W. hat ein Buch über seine Haft in der Türkei geschrieben. -Foto: dpa

BerlinDer jetzige Anwalt des in der Türkei wegen sexuellen Missbrauchs angeklagten Marco Weiss, Jürgen Schmidt, geht nicht davon aus, dass der 18-Jährige mit seinen Haftmemoiren einen möglichen Freispruch gefährdet hat. Ein unabhängiges Gericht müsse aufgrund feststehender und vorliegender Tatsachen eine Entscheidung fällen, sagte Schmidt, der bereits 2007 für mehrere Monate die Familie des Jungen aus dem niedersächsischen Uelzen juristisch vertreten hat, der "Berliner Morgenpost". "Wie sich einer der Beteiligten äußert, darf das Gericht nicht beeinflussen", fügte er hinzu.

Rechtsanwalt Schmidt hält Marco aufgrund der ihm zum jetzigen Zeitpunkt vorliegenden Unterlagen für unschuldig. "Daran kann auch eine Buchveröffentlichung nichts ändern", sagte der Verteidiger, der von den Eltern Marcos gebeten wurde, wieder tätig zu werden. Er halte darüber hinaus das Buch insoweit für harmlos. "Wer monatelang in Untersuchungshaft verbringt, hat ja wohl das Recht, sich darüber zu äußern", verteidigte er die Veröffentlichung.

Fortsetzung des Prozesses im April

Von der Fortsetzung des Prozesses am 10. April in Antalya erhofft sich Schmidt, dass dann endlich ein Alptraum für Marco endet und er freigesprochen wird. "Vielleicht überlegen die Richter in der Türkei auch, dass seit der, meiner Ansicht nach, unberechtigten Festnahme von Marco zwei Jahre verstrichen sind, ohne dass die Richter nach meinem Dafürhalten etwas Belastendes in Händen haben", sagte der Anwalt.

Der Schüler muss sich seit gut anderthalb Jahren in Antalya vor Gericht verantworten. Er soll im April 2007 im türkischen Urlaubsort Side eine 13-jährige Britin vergewaltigt haben. Seit seiner Entlassung aus mehrmonatiger Untersuchungshaft im Dezember 2007 wohnt er der Hauptverhandlung nicht mehr persönlich bei und lässt sich im Prozess von türkischen Anwälten vertreten. (nis/ddp)

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