Nach langer Krankheit : Rudi Carrell ist tot

Showmaster Rudi Carrell ist am Freitag im Alter von 71 Jahren in Bremen gestorben. Carrell zählte zu den größten Stars der deutschen Fernsehgeschichte.

Bremen - Carrell starb am Freitag im Klinikum Bremen-Ost an den Folgen seiner Krebserkrankung. "Er ist absolut friedlich eingeschlafen und hatte bis zuletzt keine Schmerzen", sagte Carrells Schwiegersohn Dieter Klar. Seine holländische Familie habe sich bereits am Sonntag mit einer Trauerfeier von dem Verstorbenen verabschiedet. Eine öffentliche Beerdigung werde es auf Carrells ausdrücklichen Wunsch hin nicht geben.

Carrell hatte im Frühjahr vergangenen Jahres erfahren, dass er an Lungenkrebs erkrankt war. Seitdem wurde er mit einer Chemotherapie behandelt. Im März hatte der aus Holland stammende Entertainer seine Fans auf seinen nahenden Tod vorbereitet. Nach den Worten des mit Carrells Tochter Annemieke verheirateten Klar war der nun Verstorbene vor einer Woche routinemäßig zur Untersuchung ins Krankenhaus gegangen. Dort habe ihn der behandelnde Arzt aber gebeten, für ein paar Tage in der Klinik zu bleiben.

Carrell sei die ganze Zeit bei Bewusstsein gewesen, habe auch die Halbfinalspiele der Fußball-WM noch verfolgt. Am Freitag habe er eigentlich wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden sollen. Die Familie - Carrell war in dritter Ehe verheiratet und hinterlässt drei erwachsene Kinder und vier Enkelkinder - sei dann aber verständigt worden und habe fast geschlossen Abschied nehmen können. Nur sein in Australien lebender Sohn Alexander sei nicht da gewesen. Ob Carrell nun wie von ihm in einem Interview gewünscht eingeäschert und wo er beigesetzt wird solle nach der Rückkehr Alexanders entschieden werden.

Unvergleichlicher Charme und Witz

Radio-Bremen-Intendant Heinz Glässgen würdigte den Verstorbenen als unnachahmlichen Gestalter der deutschen Fernsehunterhaltung: "Mit Humor und Originalität hat er sein Publikum begeistert." Seinen letzten Fernsehauftritt hatte Carrell im Februar, als dem sichtlich vom Krebs gezeichneten Entertainer die Goldene Kamera für sein Lebenswerk verliehen wurde. Er habe die "Messlatte gelegt für beste Samstagabendunterhaltung", hieß es damals zur Begründung. Zu seinem Charme, seinem klugen Witz und seiner Spontaneität gebe es "keinen Vergleich".

Carrell war 1964 nach Deutschland gekommen. Dort produzierte er zunächst bei Radio Bremen seine zuvor bereits in den Niederlanden erfolgreiche "Rudi Carrell Show". In den 70er Jahren hatte er mit "Am laufenden Band" einen riesigen Publikumserfolg, der ihn zu einem der beliebtesten Showmaster machte. Später folgten mit "Herzblatt", "Rudis Tagesshow" oder "Die verflixte 7" weitere erfolgreiche Shows. Zuletzt produzierte Carrell auf RTL "7 Tage, 7 Köpfe".

Lungenkrebs: "Hätte ich eigentlich schon längst haben müssen!"

In seinem letzten großen Interview mit dem Magazin der "Süddeutschen Zeitung" sagte Carrell im März, dass ihn die Diagnose Lungenkrebs nicht überrascht habe. "Hätte ich eigentlich schon längst haben müssen! Ich habe immer fünf Tage vor einer Show so gut wie ohne Essen gearbeitet, nach einer Show nur Bier getrunken und mindestens sechzig Lord Extra am Tag geraucht." Er habe gewusst, "das geht irgendwann schief." Da seine Kinder und Enkelkinder ebenfalls seinen Lebenswandel kannten, seien diese auch vorbereitet gewesen.

Carrell hatte in dem "SZ"-Interview auch einige Anekdoten preisgegeben. Dabei erzählte er etwa von einem Abend vor einer Gala in Scheveningen, wie er kurz vor der Show Marlene Dietrich im Kittel beim Fegen der Bühne erwischt habe. "Ich frage etwas verdutzt: 'Frau Dietrich, kann nicht jemand anderes die Bühne fegen?' Und sie antwortet: 'Wissen Sie, ich muss gleich die Showtreppe runter. Wenn da irgendetwas liegt und ich rutsche darauf aus, steht es morgen in der Zeitung.'" Seitdem habe er auch immer selbst die Bühne gefegt.

Angst vor den Jacob Sisters

Auch den nun von der Familie umgesetzten Verzicht auf eine öffentliche Beerdigung hatte Carrell in dem Interview mit Humor begründet: "Aus Angst vor den Jacob Sisters! Mit ihren komischen Pudeln zerstören sie doch jede Atmosphäre", spottete er damals über den Auftritt der Schwestern bei der Beerdigung des ermordeten Modemachers Rudolph Moshammer. "Deshalb: keine öffentliche Beerdigung aus Angst vor den Jacob Sisters." (tso/AFP)

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