Naturkatastrophen in Indonesien : Feuer und Wasser

Die Fluten des Tsunami, der Ascheregen des Vulkans Merapi – Indonesien kämpft mit den Elementen.

Sascha Zastiral
Alles liegt unter einer weißen Aschedecke. Rettungsmannschaften durchsuchen Dörfer nach Überlebenden.
Alles liegt unter einer weißen Aschedecke. Rettungsmannschaften durchsuchen Dörfer nach Überlebenden.Foto: dpa

Besonderes Entsetzen löste der Tod von Mbah Meridjan aus. Der 83-Jährige war der zeremonielle „Wächter“ des Berges. Ihm wurde nachgesagt, mit dem Geist des Berges in Verbindung zu stehen. Beim letzten Ausbruch wurden Meridjan und sein Dorf nur um wenige Meter verfehlt, so, wie er es vorausgesagt hatte. Jetzt entdeckten Helfer den Mann unter Asche. Bis in den Tod hatte er in Bethaltung verharrt.

Auf Indonesiens Hauptinsel Java kämpften am Mittwoch Hunderte Helfer mit den Folgen des Ausbruchs des Vulkans Merapi. Schon vor Tagen hatten die Behörden vor einem drohenden Ausbruch gewarnt und begonnen, 14 000 Menschen zu evakuieren. Etliche Anwohner von Dörfern, die unmittelbar am Fuß des knapp 3000 Meter hohen Bergs liegen, blieben dennoch zu Hause. So flohen abertausende Menschen in Panik, als der Vulkan am Dienstagabend tatsächlich begann, Feuer und Asche zu spucken. Viele Menschen erlitten durch die heiße Asche Verbrennungen. Aufnahmen zeigen, wie in manchen Dörfern die Menschen knöcheltief in Asche standen. Die Behörden vermuten, dass dem Ausbruch mindestens 28 Menschen zum Opfer gefallen sind. Experten warnen jetzt, dass sich im Inneren des Vulkans eine Lavakuppel bildet, unter der sich große Mengen Lava stauen. Ein noch viel größerer Ausbruch in den kommenden Tagen könnte folgen.

Naturkatastrophen in Indonesien
Der indonesische Vulkan Merapi hat wieder Lava und Asche gespuckt.Weitere Bilder anzeigen
1 von 39Foto: AFP
05.11.2010 13:28Der indonesische Vulkan Merapi hat wieder Lava und Asche gespuckt.

Rettungsteams in Indonesien haben am Mittwoch erstmals entlegene Inseln vor der Küste Sumatras erreicht, wo am Montag ein drei Meter hoher Tsunami mehrere Dörfer zerstört hatte. Erste Bilder aus dem Katastrophengebiet bestätigen, dass der Tsunami, ausgelöst durch ein Erdbeben bei Sumatra, von einigen der betroffenen Dörfer nur Trümmer übrig gelassen hat. Behördenvertreter erklärten, es habe mindestens 272 Todesopfer gegeben. Hunderte Menschen werden vermisst.

Die Rettungsteams hatten mit schweren Regenfällen und Dutzenden Nachbeben zu kämpfen. Ein schwerer Sturm hat Versuche erschwert, Hilfsgüter aus Padang, der nächsten größeren Stadt, zu den betroffenen Inseln zu bringen. Der Gouverneur der Provinz Westsumatra, Irwan Supriyanto, sagte, es fehle an großen Booten. „Bis zu fünf Meter hohe Wellen haben kleine Boote davon abgehalten, bis an die Strände zu fahren.“ Am Mittwoch konnten jedoch mit Hubschraubern und Flugzeugen Hilfsgüter an die Betroffenen geliefert werden.

In der Region ist vor zwei Jahren ein umfangreiches Tsunami-Frühwarnsystem in Betrieb gegangen, an dessen Errichtung auch deutsche Experten beteiligt waren. Das Frühwarnsystem hat nach Informationen des Geoforschungszentrum Potsdam auch sehr gut funktioniert. Innerhalb weniger Minuten sei eine Warnung ausgesprochen worden. Doch die betroffene Inselkette Mentawai liegt so weit vor der Küste, dass der Tsunami über sie hinweggerollt ist, ehe eine Warnung auch nur ausgesprochen werden konnte. Ein Bewohner der Insel North Pagai sagte einer Nachrichtenagentur, die betroffenen Dörfer hätten gar keine oder nur wenige Warnungen vor dem Tsunami erhalten. „Etwa zehn Minuten nach dem Erdbeben hörten wir ein lautes Donnern. Wir sind nach draußen gegangen und haben die Welle kommen sehen. Wir haben versucht, auf höheres Land zu fliehen, aber die Welle war viel schneller als wir.“

Erst im September 2009 starben bei einem starken Erdbeben in und um Padang mehr als 1000 Menschen. Das Beben ereignete sich an derselben tektonischen Bruchlinie wie das gewaltige Erdbeben der Stärke 9,1, das im Dezember 2004 die Tsunami-Katastrophe ausgelöst hat.

Informationsminister Sembiring hat kurz nach dem Tsunami verkündet, „ehebrecherische Nationen, die nicht an Gott glauben“, würden „von Gott verurteilt“ werden. Kritiker werfen ihm eine zynische Haltung gegenüber den Opfern vor. Politiker religiöser Parteien bezeichnen Naturkatastrophen oft als Strafe Gottes.

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