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Neknominate : Digitale Trinkorgie auf Facebook

"Biernominierung" heißt das Online-Trinkspiel, welches auf Facebook unter Jugendlichen zum neuen Trend avanciert.

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„Biernominierung“ heißt das Online-Trinkspiel, bei dem die Teilnehmer ein alkoholisches Getränk – meist einen halben Liter Bier – „auf ex“ trinken müssen.
„Biernominierung“ heißt das Online-Trinkspiel, bei dem die Teilnehmer ein alkoholisches Getränk – meist einen halben Liter Bier –...Foto: dpa

Trinken bis zum Umfallen Komasaufen ist bei Kindern und Jugendlichen auf Facebook ein neuer Trend. „Biernominierung“ heißt das Online-Trinkspiel, bei dem die Teilnehmer ein alkoholisches Getränk – meist einen halben Liter Bier – „auf ex“ trinken müssen.

Im digitalen Zeitalter geschieht das selbstverständlich nicht anonym: Von den Trinkorgien werden Videos erstellt. Diese werden auf Facebook oder der Videoplattform Youtube hochgeladen und dort mit Freunden, Arbeitskollegen und Familie geteilt. Jeder Teilnehmer fordert drei seiner Freunde heraus. Diese haben 24 Stunden Zeit, es dem Herausforderer, gleichzutun und ebenfalls ein Trink-Video zu drehen. So verbreitet sich „das Spiel“ - und mit ihm die Videos - schneeballartig im Netz. Der aus Australien stammende Trend schwappt inzwischen auf Deutschland über. Die Facebookseite „Biernomination“ sammelt die einzelnen Videos und bietet ihnen eine Plattform. Auf der Informationsseite geben die Seitenverantwortlichen jedoch auch eine klare Abgrenzung vor: „Es geht bei der Biernominierung darum, auf lustige Weise EIN Bier zu trinken. Wir distanzieren uns ausdrücklich von sonstigen Trinkspielen, die im Web kursieren.“, steht dort.

Auch der 25-jährige Luis S., ist von einem Freund zu „Neknominate“, so der Kunstbegriff für das Spiel, nominiert worden. Aus Spaß habe er mitgemacht. „Ein wenig Gruppenzwang war wohl auch dabei“, gibt er zu. Auffällig sei, sagt Luis D., dass vor allem in seinem Freundeskreis aus dem Heimatdorf derartige Videos aufgenommen und verteilt würden. „Von meinen Studienkollegen habe ich noch keine derartigen Videos gesehen“, sagt er.

Auffallen wollte Luis mit seinem Video trotzdem: „Langweilig auf der Couch sitzen und Bier trinken kann ja jeder. Ich wollte in mein Video etwas Pep reinbringen.“ Er dreht sich mitsamt Kamera auf der Cappi minutenlang im Kreis und wankt hinterher etwas orientierungslos aus dem Zimmer. „Ein ganz normaler Tag im Büro“, ist der Titel seines Videos.

Genau dieser Drang, immer verrücktere Videos zu drehen und seine Freunde zu übertreffen, kann jedoch schwerwiegende Folgen haben: In Irland haben bereits zwei Menschen bei dem umstrittenen Spiel das Leben verloren. Der "Irish Independent" berichtete vor wenigen Tagen, dass ein 19-Jähriger nach Leerung seines Glases und einem anschließenden Sprung ins Wasser, ertrunken sei.

Sorgen mache sich Luis S. jedoch keine: „Alle meine Facebook-Freunde sind über 18 und wissen, wo bei diesem Spaß ihre Grenzen liegen.“ Jugend- und Verbraucherschützer sind allerdings alarmiert. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden im Jahr 2012 so viele junge Leute wie nie seit Beginn der Statistik im Jahr 2000 mit einem Vollrausch in einer Klinik behandelt. Alkohol-Exzesse von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen endeten immer häufiger im Krankenhaus.

Auch Facebook scheint vom Biernominierungstrend nicht besonders angetan: Einzelne Trinkvideos wurden bereits, mit Hinweis auf die Nutzungsbedingungen, entfernt. "Wenn Nutzer Inhalte teilen, erwarten wir, dass dies auf verantwortliche Weise geschieht. Dazu gehört auch die sorgfältige Auswahl der Zielgruppe für die Inhalte", so Facebook in seinen Richtlinien. Das Jugendliche im Umgang mit Facebook und anderen sozialen Netzwerken zu sorglos umgehen, sieht der Medienwissenschaftler Gerd Fittkau kritisch: "Diese Jugendlichen sind oft sehr stark in der autodidaktischen Mediengestaltung - und -Nutzung, sprich in der Bedienung ihres Handys und der Möglichkeit des Uploads, aber sind fast schon debil in Medienkunde und - kritik, können also nicht die Folgen ihres Handelns reif beurteilen."

Auch Luis D. hat es nach seiner Biernomination mit der Aktion gereicht. Taktisch wählte er die Menschen aus, die sich entweder nicht in der Nähe eines Rechners befanden oder ohnehin seit Jahren keinen Alkohol trinken würden. „Keiner von denen wird die Nominierung annehmen. So habe ich durch die Aktion zumindest drei Kästen Bier sicher.“

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