Welt : Neuer Sars-Verdacht in Südchina

20-jährige Kellnerin in Krankenhaus eingeliefert. Zwei Hongkonger Journalisten wurden indes negativ getestet. WHO schickt Expertenteam, um Übertragung zu klären

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Peking/Hongkong (dpa/Tsp). In der südchinesischen Provinz Guangdong gibt es einen weiteren SarsVerdachtsfall. Eine 20 Jahre alte Kellnerin eines Spezialitätenlokals wurde nach Angaben des chinesischen Gesundheitsministeriums auf die Quarantänestation eines Krankenhauses gebracht. Der 32-jährige Fernsehproduzent, der nachweislich am Schweren Akuten Atemwegssyndrom erkrankt war, konnte am Donnerstag geheilt entlassen werden. In einem Hongkonger Krankenhaus stehen noch drei Fernsehjournalisten unter Beobachtung. Sie waren von Dreharbeiten in China zurückgekommen und hatten Fieber bekommen. Sie besuchten Tiermärkte und das Krankenhaus, in dem der infizierte Fernsehproduzent behandelt worden war. Bei zweien von ihnen waren die Sars-Tests nach offiziellen Angaben negativ, bei dem Dritten stand das Ergebnis zunächst noch aus.

Die Weltgesundheitsorganisation entsendete am Donnerstag sechs Experten nach Kanton. Diese reisten von Peking nach Guangdong, um die Herkunft der Sars-Erreger zu untersuchen. Sie untersuchen den neuen Verdachtsfall und prüfen darüber hinaus als mögliche Quellen der Erreger Tiere und Umwelt, sagte der WHO-Mitarbeiter Ian Simpson dem Tagesspiegel am Donnerstag. Die WHO ist sich sicher, dass die Übertragung der Erreger von Tieren ein wichtiger Faktor ist. Daher soll das Expertenteam im Besonderen klären, welche Tiere die Lungenkrankheit übertragen. Warum Sars ausgerechnet in Chinas ausbricht, konnte Simpson nicht beantworten. Eine Mitarbeiterin des Robert-Koch-Instituts erklärte am Donnerstag, dass ein Zusammenhang zwischen Sars-Neuerkrankungen und dem Wildtierhandel in China plausibel sei. Es gibt nach WHO-Angaben auch deutliche Hinweise darauf, dass mehrere Tierarten das Sars-Virus tragen könnten. In China hatte bereits am Montag die Tötung von 10 000 Schleichkatzen begonnen. Die Gesundheitsbehörden von Guangdong gehen nun auch gegen andere mögliche Überträger vor: Auch Ratten und Küchenschaben sollen vernichtet werden. Zudem ordneten die Behörden die Schließung von sieben großen Wildtiermärkten an. Die 20 Jahre alte Kellnerin aus Guangdong hatte erste Krankheitssymptome wie Fieber am 26. Dezember gezeigt. Seit sieben Tagen sei sie jedoch fieberfrei. Das Restaurant, in dem sie arbeitet, soll die als Delikatesse geltenden Schleichkatzen servieren, meldet die Nachrichtenagentur Xinhua. 48 Menschen, die mit der Kellnerin engeren Kontakt hatten, wurden bereits unter Quarantäne gestellt. Weitere 52 Menschen mit losem Kontakt werden medizinisch beobachtet. Der erste Sars-Fall in China seit Ende der ersten Krankheitswelle im vergangenen Sommer durfte inzwischen geheilt das Krankenhaus verlassen. Der 32 Jahre alte Mann hatte bestritten, jemals mit Schleichkatzen in Berührung gekommen zu sein. Nach Angaben des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg hatte der Mann in seiner Wohnung jedoch Fallen für Ratten und Mäuse aufgestellt.

Zwischen November 2002 und Juli vergangenen Jahres steckten sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO in 30 Ländern etwa 8000 Menschen mit dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom an, 774 starben.

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