• Neuer Tatverdächtiger im Mordfall Lena: DNS-Spuren des 18-Jährigen am Tatort gefunden
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Neuer Tatverdächtiger im Mordfall Lena : DNS-Spuren des 18-Jährigen am Tatort gefunden

Nach der Ermittlungspanne im Fall der getöteten elfjährigen Lena in Emden hat die Polizei am Samstag einen 18-Jährigen vorläufig festgenommen.

Am 20. August 2012 hatte vor dem Landgericht Aurich in Niedersachsen der Prozess gegen den 18-Jährigen begonnen, der die elfjährige Lena aus Emden vergewaltigt und ermordet haben soll.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dapd
20.08.2012 11:30Am 20. August 2012 hatte vor dem Landgericht Aurich in Niedersachsen der Prozess gegen den 18-Jährigen begonnen, der die...

Nachdem im Tagesverlauf weitere Hinweise aus der Bevölkerung bei den Ermittlern eingegangen seien, habe sich der Verdacht gegen den jungen Mann konkretisiert, wie eine Polizeisprecherin in Emden mitteilte. Das Untersuchungsergebnis des Landeskriminalamtes bezüglich der am Tatort gesicherten DNS-Spuren habe den Tatverdacht gegen den 18-Jährigen untermauert. Auch sei die Annahme bestätigt worden, dass der am Freitag aus der Untersuchungshaft entlassene 17-Jährige unschuldig ist.

Ob sich der Tatverdächtige bereits zu den Anschuldigungen geäußert hat, wollte die Polizeisprecherin nicht sagen. Auch machte sie keine Angaben dazu, ob der 18-Jährige wie die elfjährige Lena aus Emden stamme. Weitere Informationen wollen die Staatsanwaltschaft Aurich und die Polizeiinspektion Leer/Emden am Sonntag in einer gemeinsamen Pressekonferenz im Polizeikommissariat in Emden bekannt geben.

Die elfjährige Lena war vor einer Woche in einem Parkhaus in Emden tot aufgefunden worden. Sie wurde der Polizei zufolge Opfer einer Sexualstraftat. Der zunächst am Dienstagabend festgenommene 17-Jährige war am Freitag wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Er ist laut Polizei und Staatsanwaltschaft unschuldig. Nach den Hetzaufrufen im Internet befindet sich der junge Mann in polizeilicher Obhut.

Die Mordkommission setzte den Angaben zufolge trotz der Festnahme am Dienstag die Ermittlungen in alle Richtungen fort. In diesem Zusammenhang gingen weiter zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung ein. Seit das Mädchen vor einer Woche tot aufgefunden wurde, waren mehr als 300 Hinweise eingegangen, wie eine Polizeisprecherin sagte. Am Samstag konkretisierte sich der Verdacht gegen den 18-Jährigen, der daraufhin von den Ermittlern vorläufig festgenommen wurde.

Gefahndet wurde zuvor nach einem jungen Mann in dunkler Kleidung, der auf einem Video der Überwachungskamera des Parkhauses zu sehen ist. Bereits am Samstagnachmittag hatte die Polizeisprecherin der Nachrichtenagentur dapd gesagt, dass die Ermittler weiter hoch motiviert seien. Die unverändert eingegangen Hinweise „sind sehr gut für unsere Arbeit, weil sich dadurch alles verdichtet und uns hoffentlich zum Täter führt“, sagte sie.

Indes war die Kritik an den Ermittlungsbehörden gewachsen. „Polizei und Staatsanwaltschaft haben ein Interesse an einem raschen Fahndungserfolg“, sagte der CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Samstagausgabe). „Deshalb sind sie manchmal etwas voreilig und riskieren zu häufig einen zu schnellen Gang an die Öffentlichkeit.“ Uhl fügte hinzu: „Die Vorfälle zeigen wieder einmal, welche Kräfte im Internet freigesetzt werden können. Die sind nicht immer zu begrüßen.“ Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz sagte dem Blatt: „Ich bin sehr dafür, dass Leute, die zur Lynchjustiz aufrufen, unnachgiebig verfolgt werden.“ Auch der Berliner Strafrechtsprofessor Martin Heger äußerte massive Kritik. Zwar sei es vermutlich korrekt gewesen, nach Würdigung der Indizien und Beweise den 17 Jahre alten Berufsschüler zu verhaften. „Aber die Staatsanwaltschaft ist mit den Sachverhalten zu offensiv an die Öffentlichkeit gegangen“, sagte er der Zeitung „Die Welt“ (Samstagausgabe). Heger forderte die Staatsanwaltschaft auf, zur Rehabilitierung des zu Unrecht inhaftierten 17-Jährigen ebenso massiv an die Öffentlichkeit zu gehen.

Von gravierenden Fehlern sprach auch der Kriminologe Christian Pfeiffer. Die Verdachtsmomente gegen den Jugendlichen seien dürftig gewesen, trotzdem habe ihn die Polizei öffentlich in Handschellen vorgeführt, sagte Pfeiffer der Nachrichtenagentur dapd. Eine aufgebrachte Menge von 50 Personen hatte sich am Dienstagabend vor dem Emder Polizeirevier versammelt, um es zu stürmen und den zu diesem Zeitpunkt Verdächtigen zu lynchen. Zu der Tat war im sozialen Netzwerk Facebook aufgerufen worden. Oberstaatsanwalt Bernard Südbeck hatte die Kritik an den Ermittlungsbehörden zurückgewiesen. Polizei und Staatsanwaltschaft hätten „zu jeder Zeit richtig gehandelt“, sagte er. (dapd)

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