Welt : Nicht einmal jeder zweite Deutsche plant in diesem Jahr eine Urlaubsreise

Lieblingsziel immer noch Spanien - Trend geht zu Kurzurlauben und Billigreisen

Der deutsche Urlauber ist bescheidener geworden. Nach dem Motto "Dreifach Sparen" wollen die Bundesbürger künftig weniger und kürzer verreisen und im Urlaub bescheidener leben - dies ist zumindest das Ergebnis der 10. Gesamtdeutschen Tourismus-Analyse, die das Hamburger Freizeit-Forschungsinstitut der British American Tobacco (BAT) am Montag in der Hansestadt vorgestellt hat. Das Institut hatte 5000 Bundesbürger ab 14 Jahren nach ihrem Urlaubsverhalten im abgelaufenen Jahr und den Reiseabsichten 2000 befragt. Die Deutschen zeigten heute "Mut zur Billigreise", erklärte der Leiter des Instituts, Prof. Horst W. Opaschowski.

Im laufenden Jahr wolle nicht einmal jeder zweite Bundesbürger verreisen, hieß es. 29 Prozent der Befragten waren noch unsicher, ob sie eine Urlaubsreise machen wollten. In der Gruppe derjenigen, die feste Reisepläne haben, seien die 14- bis 24-Jährigen, die Großstadtbewohner und diejenigen mit einem Monatseinkommen von mehr als 5000 Mark netto überrepräsentiert, hieß es.

Der schon in den vergangenen Jahren beobachtete Trend zu kürzeren Reisen habe auch 1999 angehalten: Im vergangenen Jahr seien die Deutschen im Schnitt nur 14,8 Tagen lang in Urlaub gefahren - 1980 waren es noch 18,2 Tage am Stück, 1990 immerhin noch 16,3 Tage, berichtete das BAT-Institut.

Urlaub im Inland ist für die Deutschen der Umfrage zufolge immer weniger attraktiv: 1996 fanden noch 41 Prozent der Bundesbürger einen Urlaub in der Heimat lohnend, im vergangenen Jahr waren es nur noch 35 Prozent. Seit Jahren zeichne sich beim Inlandsurlaub ein verschärfter Wettbewerb zwischen den Feriengebieten an den Küsten und in den Bergen ab - die Strände von Nord- und Ostsee seien in der Gunst der Bundesbürger nach vorn gerückt, hieß es. Dabei liege die Ostsee mit acht Prozent um zwei Prozentpunkte vor der Nordsee.

Hatten die Alpenregionen seit Anfang der 90er Jahre unter großen Verlusten zu leiden (1991: 12 Prozent, 1998: 7 Prozent), holte Bayern zur Jahrtausendwende wieder um einen Prozentpunkt auf acht Prozent auf. "Die Alpen haben heute mehr als hohe Berge zu bieten. Viele Bergdörfer haben sich inzwischen zu Wellnessoasen, Sportarealen und Entertainmentcentern entwickelt", erläuterte Opaschowski die Entwicklung. "Der Wettbewerb Küste contra Berge ist in Deutschland offener denn je."

Bei den sonnigeren Reisezielen war Spanien einsamer Spitzenreiter in der vergangenen Reisesaison. Jeder sechste deutsche Urlauber (siebzehn Prozent) machte mindestens einmal dort Ferien. Italien mit sieben, Griechenland mit vier, Portugal mit zwei und die Türkei mit drei Prozent blieben weit abgeschlagen. Der Spanienboom werde anhalten und den anderen europäischen Reiseländern immer mehr zu schaffen machen, sagten die BAT-Forscher voraus. Italien könne im günstigsten Fall mit einer Stagnation der deutschen Urlauberzahlen rechnen, ebenso die Türkei, Griechenland und Österreich.

Auch Fernreiseziele blieben ein wichtiges Marktsegment im touristischen Geschäft, "aber sie werden auf absehbare Zeit nicht über die Fünf-Prozent-Marke hinaus gelangen können", erklärte Opaschowski.

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