Welt : Nigerianer war zur Behandlung nach Wiesbaden gekommen

Drei Monate nach dem Lassa-Tod einer jungen Frau in Würzburg ist am Sonnabend ein 57 Jahre alter Nigerianer in Wiesbaden an dem gefährlichen tropischen Fieber gestorben. Das teilte das hessische Sozialministerium am Dienstag nach einer Untersuchung des Toten mit.

Der Mann sei kein Urlauber gewesen, sondern habe in Nigeria gelebt und sei nur zur Behandlung nach Deutschland gekommen. Alle Kontaktpersonen seien identifiziert und würden beobachtet, betonte eine Ministeriumssprecherin.

Der 57-Jährige war am 27. März mit einer Rettungsmaschine in die Wiesbadener Klinik gebracht worden und am 1. April gestorben. Beobachtet werden die Begleiter im Rettungsflugzeug und das für den Mann zuständige Personal des Krankenhauses.

Der Mann habe bei seiner Einlieferung nicht die typischen Lassa-Symptome wie Fieber und Erbrechen aufgewiesen, sagte die Sprecherin. Deshalb sei die Krankheit zunächst nicht entdeckt worden. Am Anfang habe sich der Zustand des Mannes verbessert, dann sei er überraschend gestorben. Erst am Dienstag habe sich bei der Untersuchung des Gehirns die Infektion des Toten mit dem Lassa-Virus gezeigt.

Da das Virus im Blut nicht nachweisbar gewesen sei, bestehe eine nur geringe Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand im direkten Kontakt mit Körpersekreten des Mannes angesteckt hat.

Für die Kontaktpersonen bestehe die Möglichkeit einer prophylaktischen Behandlung mit dem Medikament "Ribavirin", meinte die Sprecherin. Hessens Gesundheitsministerin Marlies Mosiek-Urbahn (CDU) betonte, der Fall belege die dringende Notwendigkeit einer zentralen Isolierstation für lebensgefährliche Infektionskrankheiten. Die Vorbereitungen für eine solche Station bei der Universitätsklinik Frankfurt liefen auf Hochtouren.

Lassa-Fieber ist eine seltene, aber sehr gefährliche Infektionskrankheit, die von Mensch zu Mensch über Speichel, Erbrochenes, Urin oder abgehustete Blutströpfchen übertragen werden kann. In Deutschland kommt Lassa äußerst selten vor, meist wird es - wie in dem spektakulären Fall der 23-jährigen Würzburger Studentin - von Afrika-Reisen mitgebracht. Ebenso wie bei Ebola und beim Dengue-Fieber können Infizierte an Blutungen und Gewebeschäden leiden. Die 1969 erstmals in Nigeria registrierte Krankheit verläuft nach unterschiedlichen Angaben in fünf bis 40 Prozent der Fälle tödlich.

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