O. J. Simpson : Bösewicht oder braver Bürger?

Die Staatsanwaltschaft in Las Vegas wirft O. J. Simpson jetzt auch Kidnapping vor. Ihm waren bereits Raub, Körperverletzung und Diebstahl zur Last gelegt worden. Dennoch kam er am Mittwoch gegen Kaution aus der Untersuchungshaft frei.

Christoph von Marschall
O.J. Simpson Foto: dpa
O.J. Simpson (Mitte) vor Gericht in Las Vegas. -Foto: dpa

WashingtonFür Amerikaner war O. J. Simpson eine Berühmtheit, soweit sie zurückdenken können - erst als Footballstar, dann als mutmaßlicher Mörder. Sein angeblicher Überfall mit Komplizen und vorgehaltener Waffe auf zwei Sportandenkenhändler in einem Spielcasino-Hotel in Las Vegas passt ins Bild des ewigen Unruhestifters. In dem Fall, der die amerikanische Öffentlichkeit seit der vergangenen Woche bewegt, folgte ein Richter am Mittwoch in Las Vegas dem Antrag von Simpsons Anwälten auf Entlassung aus der Untersuchungshaft. Der Ex-Footballstar kam noch am gleichen Tag gegen eine Kaution in Höhe von 125.000 Dollar frei.

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft die Liste der Vorwürfe ausgedehnt: Zur Verabredung zu einer Straftat, bewaffnetem Raubüberfall und Bedrohung mit Schusswaffe kam Kidnapping hinzu. Einer der beiden Andenkenhändler hatte am Montag, einen Tag nach der Festnahme Simpsons, einen Herzinfarkt erlitten und wurde in eine Klinik nach Los Angeles gebracht. Nach der Ansicht von Simpson und seines Anwalts kann von Raub keine Rede sein. Simpson, so deren Lesart, habe sich von den Händlern nur zurückholen wollen, was ihm gehöre: Sporttrophäen aus seiner Karriere. Waffen habe er nicht gehabt.

Unterdessen ändert sich in den USA der Ton der Berichterstattung über O. J. Simpson. Jetzt wird daran erinnert, dass Simpson in den letzten sieben Jahren zurückgezogen in Miami gelebt habe: ein ruhiger Bewohner einer Vorstadt.

Simpson war 2000 von Los Angeles nach Miami gezogen, nach den beiden spektakulären Prozessen um die Ermordung seiner Frau Nicole und deren Freund Ronald Goldman 1994. Im Strafprozess sprach die Jury ihn 1995 vom Mordvorwurf frei. Im Zivilprozess gab man ihm dagegen 1997 die Schuld am Tod der beiden: Er sollte 33,5 Millionen Dollar Schadenersatz an die Familie Goldman zahlen.

Arm ist Simpson nicht. Aus fünf Rentenversicherungen erhält er 400.000 Dollar im Jahr. Sein ranchartiges Anwesen mit Pool in Miami bleibt ihm sicher. In Florida dürfen Immobilien nicht zwangsversteigert werden, um private Schulden zu begleichen. Das Geld reicht ihm dennoch nicht. Mit einem späten Geständnis ("If I did it") in Buch, Film und Talkshows wollte er kürzlich kräftig verdienen. Es gab einen öffentlichen Aufschrei - und die Sender machten einen Rückzieher.

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