Obamas Sparpläne : Nasa: Auf dem Boden der Tatsachen

Das US-Mondprogramm wird aus Kostengründen gestrichen – künftig sollen Privatfirmen Taxidienste zur Raumstation ISS anbieten.

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Noch im Herbst schien es, als könnte die US-Weltraumbehörde Nasa den neuen Präsidenten überzeugen. Mithilfe der Mondsonde „Lcross“ hatte sie bewiesen, dass es auf dem weitgehend trockenen Himmelskörper in tiefen Kratern tatsächlich gefrorenes Wasser gibt. Außerdem hob erstmals ein Prototyp der Ares-1-Rakete ab, die Teil des „Constellation“-Programms ist, das eine Rückkehr von Astronauten auf den Erdtrabanten vorsieht.

Beim näheren Hinsehen zeigte sich aber: Die Rakete ist noch lange nicht fertig, sie bestand zu mehr als der Hälfte aus Attrappen. Und das Wassereis kommt nicht in solchen Mengen vor, dass Bau und Betrieb einer Mondstation wesentlich leichter würden. Auch das Constellation-Programm selbst zeigte hinter der faszinierenden Fassade – bemannte Mondlandung bis 2020, später eine Mondbasis und Flüge zum Mars – zahlreiche Schwachstellen. Die Kosten waren stark gestiegen, der Zeitverlust auf drei Jahre gewachsen.

Nun will Barack Obama einen Schlussstrich unter das Projekt ziehen, das auf eine Initiative seines Amtsvorgängers George W. Bush zurückgeht. In seinem Haushaltsentwurf für 2011, den Obama gestern dem Kongress vorlegte, ist kein Geld mehr für Constellation vorgesehen. Geschätzte neun Milliarden Dollar wurden dafür bereits ausgegeben, nun kommt das Aus.

Die Nasa mit einem Jahresetat von aktuell 18,7 Milliarden Dollar bekommt zwar eine zusätzliche Finanzspritze von 5,9 Milliarden Dollar in den kommenden fünf Jahren. Das Geld soll allerdings vornehmlich für die Entwicklung privat betriebener Raumfahrzeuge eingesetzt werden. So wie heute Satelliten von Spezialfirmen ins All gebracht werden, könnte künftig auch der Personentransport zur Internationalen Raumstation (ISS) in die Hände von kommerziellen Anbietern gelegt werden. Die privaten Taxidienste sollen die Abhängigkeit der Amerikaner von Russland lösen. Denn voraussichtlich im Herbst wird zum letzten Mal ein Spaceshuttle abheben, danach können Astronauten nur noch mit den russischen Sojus-Raumschiffen zur ISS und zurück gebracht werden.

Ursprünglich sollte die neue Ares-Rakete diese Lücke schließen. Doch der Termin für einen bemannten Flug in die Erdumlaufbahn wurde immer wieder verschoben. Ob es einer Privatfirma gelingt, wie erhofft bis 2015 den Taxidienst aufzunehmen, wird von Fachleuten bezweifelt. Schließlich muss das Raumfahrzeug nicht nur sicher starten und fliegen, sondern auch sanft an die Station andocken können. Wie ein Sprecher des Weißen Hauses gestern mitteilte, sollen die bei Constellation eingesparten Mittel in Forschungsvorhaben für mögliche Missionen zum Mars eingesetzt werden. Die stehen allerdings noch weit am Anfang.

Ein weiterer Schwerpunkt in Obamas Plänen ist die ISS. Wie es hieß, will die USA eine Finanzierung für das Raumlabor bis 2020 sichern. Bisher reichte die Zusage nur bis 2015. Für die Partner, Russland, Europa, Japan und Kanada, ist das eine gute Nachricht. Sie wollen, dass die mit viel Aufwand zusammengeschraubte Station möglichst lange genutzt wird.

Das Ende von Constellation ist nicht der einzige Rückzug aus der Mondfliegerei. Im vergangenen Sommer hatte der Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung, Peter Hintze (CDU), für eine deutsche Robotermission auf dem Erdtrabanten geworben. Im Koalitionsvertrag ist das 1,5-Milliarden-Euro-Projekt aber nicht mehr enthalten. Ob es in der „nationalen Raumfahrtstrategie“, die im Lauf des Jahres erarbeitet werden soll, wieder auftaucht, ist ungewiss.

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