Welt : Ost-Mark stabiler als Westgeld

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Von Eberhard Löblich,

Halberstadt

In Numismatikerkreisen sind sie hoch begehrt. 200- und 500-Markscheine der DDR, die nie auf den Markt gekommen sind. So druckfrisch, wie sie die DDR-Staatsbank verlassen hatten, wurden sie kurz nach der deutsch-deutschen Währungsunion in einem Stollensystem unter den so genannten Thekenbergen bei Halberstadt vergraben. Zusammen mit allen anderen Geldscheinen der DDR.

„Eigentlich sollte das Geld dort verrotten“, sagt eine Sprecherin der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Den Gefallen tat das DDR-Papiergeld den Bankern indes nicht, die 370 Tonnen Banknoten zeigten sich sehr viel stabiler als die West-Währung. Am gestrigen Mittwoch traten die Scheine ihre letzte Reise an. Im Braunkohlekraftwerk im niedersächsischen Buschhaus sollen sich die Scheinchen jetzt endgültig in heiße Luft auflösen. Sie werden jetzt dort verbrannt.

Schon während der Transporte der wertlos gewordenen Geldscheine zu den Thekenbergen kam ein Teil der Banknoten auf unerklärliche Weise abhanden.

Druckfrische Scheine, insbesondere die im Nennwert von 200 und 500 DDR-Mark, erfreuten sich auf dem Sammlermarkt wachsender Nachfrage. Mit ihrem Wert können neue Währungen wie der Euro nicht konkurrieren.

Eine rege Nachfrage macht findige Sammler so zu Abenteurern auf der Jagd nach dem schnellen Euro mit der alten Mark.

Erst kürzlich wurden zwei junge Männer vom Amtsgericht Halberstadt zu Bewährungsstrafen verurteilt, nachdem sie einen Zugang zu dem DDR-Geld gefunden und den höchst illegalen Kontakt zwischen Händlern, Sammlern und den Geldscheinen hergestellt hatten.

„Warum das Geld nicht verrottet ist, kann uns bis heute kein Mensch erklären“, heißt es bei der KfW. Es war wohl für die Ewigkeit gedacht. Wie die DDR.

Bei der Verbrennung erweisen die einstigen Banknoten der DDR der Gesellschaft noch einen letzten Dienst: Das Kraftwerk nutzt die Wärme zur Gewinnung von elektrischer Energie.

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