Osterrätsel : Erfolgreich fern der Heimat

Zehn Persönlichkeiten galt es zu erraten, die Deutschland verlassen hatten, um im Ausland ihr Glück zu suchen. Andere kamen zu uns und waren hier sehr erfolgreich. Hier nun die Lösung des Rätsels.

Illustration: Michael Hahn für den Tagesspiegel

1. Karl Friedrich Reinhard (1761– 1837), Diplomat und Staatsmann. Man kennt den Württemberger auch als Charles Frédéric, Comte Reinhard. 1787 wird er Hauslehrer in Bordeaux, bereits 1791 wird er Sekretär im französischen Außenministerium und geht anschließend auf diplomatische Mission nach London und Neapel. 1799 wird er sogar für einige Monate Außenminister. Zuletzt war er Gesandter beim Bundestag des Deutschen Bundes in Frankfurt am Main. 1832 wurde er, der Deutsche, der Frankreich so lange gedient hatte, schließlich als Franzose naturalisiert.

2. Mathilde Franziska Anneke (1817– 1884), deutsche Aktivistin und Frauenrechtlerin. Sie heiratete den deutschen Demokraten Fritz Anneke und kämpfte in den revolutionären Zeit gegen die deutsche Kleinstaaterei, für bürgerlich-demokratische Rechte, allgemeines Wahlrecht und Presse- und Redefreiheit. Besonders engagierte sie sich für die Rechte der Frauen, ritt aber auch mit ihrem Mann als Ordonanzoffizier in den badisch-pfälzischen Aufstand. 1850 emigierten sie in die USA, wo sie 1852 in Milwaukee die „deutsche Frauenzeitung“ gründete.

3.Giacomo Meyerbeer (1791–1864), komponierte mit den „Hugenotten“ die erfolgreichste Oper des 19. Jahrhunderts. Der gebürtige Berliner gilt als Erfinder der grand opéra, der französischen Spektakeloper – und als ihr wichtigster Vertreter. Aus der Wahlheimat Paris lockte der preußische König 1842 Meyerbeer zurück an die Spree. Bald aber zog es ihn wieder zurück nach Frankreich. Richard Wagner, vom Neid auf den Publikumsliebling Meyerbeer zerfressen, wütete gegen ihn in der Hetzschrift „Das Judentum in der Musik“.

4. Jenny Marx (1814–1881), „Sekretär“ von Karl Marx, so nannte sich Jenny von Westphalen, das „schönste Mädchen von Trier“, die ihrem Mann Karl half, die Manuskripte in eine leserliche Form zu bringen. Ohne sie wäre Marx nie das geworden, was er war, hat ihre jüngste Tochter einmal geschrieben. Friedrich Engels hatte ihre klugen Ratschläge sehr geschätzt.

5. Anita Augspurg (1857–1943), eine der wichtigen deutschen Frauenrechtlerinnen, studierte Jura in Zürich, weil einer Frau dieses Studium in Deutschland damals noch nicht möglich war. Zürich wurde schließlich auch der Ort ihres Exils: Sie und ihre Lebensgefährtin Lidia Gustava Heymann hatten Jahre zuvor die Ausweisung eines österreichischen Staatsbürgers namens Adolf Hitler aus Bayern beantragt. Dessen „Machtergreifung“ zwang sie beide dann selbst, ihre Wahlheimatstadt München zu verlassen.

6. Ferruccio Busoni (1866–1924), Pianist und Komponist. Geboren wurde das musikalische Wunderkind bei Florenz. Keine zehn Jahren alt, erregte er in Wien mit seinem Klavierspiel und eigenen Kompositionen Aufsehen. Als berühmtester Pianist seiner Zeit ließ sich Busoni in Berlin nieder, wo er komponierte und unterrichtete, ohne sich durch Stile und Moden einengen zu lassen.

7. Asta Nielsen (1881–1972), dänische Schauspielerin, arbeitete zunächst am Theater und beim Film in Dänemark. In Berlin wird sie rasch zum Stummfilmstar. In der Weimarer Republik schätzt man sie sehr, Angebote der Nazis lehnte sie ab. Nach dem Krieg schreibt sie Novellen und arbeitet für Zeitungen.

8. Johann Georg Sulzer (1720–1779), Schweizer Theologe und Philosoph der Aufklärung. Er ging als Lehrer nach Magdeburg, schrieb dort seine ersten Werke, gelangte 1747 nach Berlin, ans Joachimsthalsche Gymnasium 1750 wurde er in die Königliche Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Als Witwer kehrte er in die Schweiz zurück. Erst Friedrich II. gelang es, ihn wieder nach Berlin zu holen. Dort erschien sein Hauptwerk, die vierbändige „Allgemeine Theorie der schönen Künste“.

9. Liselotte von der Pfalz (1652–1722), Tochter des pfälzischen Kurfürsten Karl I. von der Pfalz, wurde 1671 mit Philippe von Orléans verheiratet, dem jüngeren Bruder des französischen Königs Ludwig XIV. Der Krieg, der Liselottes Heimat verwüstete („brûlez le Palatinat“), war der „Pfälzische Erbfolgekrieg“. Ihre Briefe, eine ausgezeichnete Quelle zum Leben am Versailler Hof des Sonnenkönigs, haben auch einen anderen berühmten Deutschen in Paris begeistert: Der Modeschöpfer Karl Lagerfeld sammelt Autographe Liselottes.

10. Friedrich Wilhem von Steuben (1719–1794), ein preußischer Offizier, der sich unter Friedrich dem Großen verdient gemacht hatte und 1777 auf Empfehlung von Benjamin Franklin (damals Botschafter in Paris) in die USA ging, um dort Ordnung und Disziplin in die Kontinentalarmee zu bringen. Nach Erfolgen in den Schlachten des Unabhängigkeitskrieges schied Steuben 1783 mit allen militärischen Ehren aus dem aktiven Dienst aus. Der in Magdeburg Geborene starb 1794 in Utica, New York. Bis heute findet ihm zu Ehren alljährlich im September die Steubenparade auf der Fifth Avenue in Manhattan statt.

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