Pàl Sarközy : Casanova und rücksichtsloser Aufsteiger

Pàl Sarközy ist der Vater des französischen Präsidenten – und hat jetzt seine Memoiren veröffentlicht.

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Auch das noch. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy scheint derzeit das Missgeschick geradezu anzuziehen. Sein lebenslustiger 81-jähriger Vater Pàl Sarközy hat seine Memoiren „So viel Leben“ veröffentlicht – und sich darin selber als ungarischen Casanova, rücksichtslosen Aufsteiger und unbeirrbaren Draufgänger porträtiert.

Immerhin: Daraus ist was geworden, wenn man den Sohn ansieht.

Was für ein Präsident. Die Veröffentlichung kommt zu einer Zeit, in der Sarkozy dabei ist, sich zum internationalen Gespött zu machen. So hatte er doch tatsächlich seinen Inlandsgeheimdienst auf seine ehemalige Justizministerin Rachida Dati angesetzt, weil er sie als Urheberin dieser albernen Gerüchte über eine Ehekrise verdächtigte. „Moderne französische Farce“, titelte die „New York Times“ und wertete den Verfolgungswahn des Präsidenten und seine grotesken Rachebedürfnisse als „Entertainment“.

Und jetzt tingelt der Vater mit seinen wenig schmeichelhaften Memoiren durch die Talkshows. Die größte Überraschung für ihn war es, dass sein Sohn, den er als „heißblütig“ beschreibt, es bis zum Präsidenten geschafft hat. Wenn die beiden sich früher mal zum Essen trafen, sagte der Senior immer zu ihm: „Mit dem Namen, den du trägst, und den Noten, die du heimbringst, wirst du es nie zu etwas bringen.“ Darin hat sich der Vater geirrt. Aber einige Eigenschaften hat der Vater seinem Sohn durchaus vererbt.

Pàl Sarközy beschreibt sich als neureichen Dandy, der vor allem an zwei Dinge dachte: an sich selbst und an Frauen. Angeblich hat er seinem Sohn das Buch geschickt. „Er hat nie etwas dazu gesagt, nicht ein Wort“, erklärte der Vater. Was bei dem Inhalt nicht erstaunlich ist. Vermutlich hat es ihm die Sprache verschlagen. Um seinen Sohn Nicolas Sarkozy und die weiteren vier Kinder hat der Vater sich wenig gekümmert. Er betont aber die ungarischen Ursprünge: „Die Hälfte eurer Wurzeln sind in der Puszta eingepflanzt, meine Engel.“ Geboren wurde Pàl Sarközy als ungarischer Adeliger, er wuchs in einem Schloss auf. Als 20-Jähriger flüchtete er vor den Kommunisten und kam als armer Einwanderer nach Paris, wo er seine erste Nacht in einem Metro-Eingang verbrachte, dann aber schnell als Zeichner in der Werbebranche Karriere machte. Wie sein Sohn, der früher oft SpeedySarkozy genannt wurde, scheint er vom Ehrgeiz getrieben zu sein. Im Alter von 76 Jahren begann er noch ein Karriere als Maler von Pop-Art-Werken. Auf einem stellt er Carla leicht bekleidet mit einer Gitarre dar, zu ihren Füßen der kleine Präsident.

Sein Vater brachte es bisher auf vier Ehen. Treue schien ein Fremdwort für ihn zu sein. „Um es zu sagen, wie es ist: Ich bin von einer Frau zur anderen gesprungen, wie man von einem Flugzeug ins nächste wechselt“, erzählt der Vater. Nach dem Ende einer frühen Beziehung hätte er fast Selbstmord begangen. Seitdem habe er es vorgezogen, „zu verlassen, statt verlassen zu werden“. Los ging es angeblich im Alter von elf Jahren mit seinem Kindermädchen, dem er unter den Rock gegriffen hat. Die Sekretärin seines Chefs ließ er nicht aus, drei Ehefrauen verließ er samt den Kindern, mit Ehefrau Nummer vier ist er aber immerhin seit 40 Jahren verheiratet. Sarkozy sowie zwei weitere Söhne stammen aus der Ehe Nummer eins mit Dadou, der Tochter eines griechischstämmigen konvertierten Juden, die er verließ, als Nicolas vier Jahre alt war. An Geschmacklosigkeiten ist in dem Buch kein Mangel. So erzählt der Papa über eine Geldwechselaffäre, in die er verwickelt war: „Die Polizei hat mir damals gedroht, die Eier abzuschneiden, wenn ich nicht gestehe. Zum Glück haben sie es nicht getan. Es hätte keinen Sarkozy gegeben in Frankreich. Schwer vorstellbar, nicht wahr?“

Sarkozy Junior hat unter seinem frivolen und abwesenden Vater immer gelitten, das wurde einmal vor einigen Jahren deutlich, als Sarkozy sagte: „Außer einem Vater fehlt mir nichts.“ Der riet ihm kürzlich in einem Interview sogar ab, ein zweites Mal für das Amt des Präsidenten zu kandidieren.

Diesen Gefallen wird ihm Sarkozy nicht tun. Das Entertainment geht weiter.

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