Papstbesuch in Großbritannien : "Pope? – Nope!"

Benedikt XVI. ist in Schottland gelandet – zum ersten offiziellen Papstbesuch seit 1534. Die Reise ist umstritten: Im Internet empfehlen Briten, lieber für Afrika zu spenden, als den Papst zu empfangen. Andere wollen ihn verhaften lassen.

Sophie Crocoll
Demonstrantin beim Papstbesuch in Großbritannien: "Ratzinger entschuldigt sich nicht gern."
Demonstrantin beim Papstbesuch in Großbritannien: "Ratzinger entschuldigt sich nicht gern."Foto: dpa

Bei seiner viertägigen Reise empfängt die Queen den Papst in Edinburgh, in London wird er mit dem britischen Premierminister David Cameron zusammentreffen. Doch das Volk gibt sich gleichgültig: 79 Prozent der Briten sagten in einer Umfrage, der Papstbesuch interessiere sie nicht. Drei von vier Briten gaben an, der Steuerzahler sollte nicht für die Kosten des Besuchs aufkommen müssen.

Die Webseite „20million.org“ zeigt den Papst mit ausgebreiteten Armen, über seinem Kopf erscheinen Zitate wie: „Die Seuche kann nicht dadurch überwunden werden, dass wir Kondome verteilen. Im Gegenteil riskieren wir, das Problem zu verschlimmern.“ Die Seite prangert an, der Papstbesuch koste den Steuerzahler 20 Millionen Pfund (der britische „Guardian“ gibt sie mit zehn bis zwölf Millionen Pfund an). „20million.org“ fordert Internetnutzer auf, zu twittern, wofür sie dieses Geld ausgeben würden. „Wenn ich 20 Millionen Pfund hätte, würde ich die Ausbildung afrikanischer Mädchen unterstützen“, schreibt eine Userin. „Ich würde in Sozialwohnungen investieren, Bauarbeitern und Handwerkern Jobs verschaffen und Unterkünfte für Arme bauen“, twittert ein anderer.

„Protest-the-pope.org.uk“ wirft Benedikt XVI. vor, Gleichberechtigung und Menschenrechte abzulehnen. Die Internetseite ruft zu Protestmärschen auf, am Samstag sollen Papstgegner durch London ziehen. Die passende Kleidung dazu finden Demonstranten auch auf der Seite: Sie können T-Shirts mit Aufdrucken wie „Pope? – Nope!“, „Papst? – Nein!“, oder „Not wanted“ bestellen. Die Organisatoren wehren sich dagegen, dass der Papst zum Staatsbesuch eingeladen wird. Gegen eine Seelsorgervisite hätten sie nichts einzuwenden, schreiben sie. In einer Art Anklageschrift kritisiert „Protest the Pope“ die Haltung des Papstes, Kondome abzulehnen, Frauen Abtreibungen zu verweigern und den Holocaust-Leugner Bischof Richard Williamson rehabilitiert zu haben.

Im sozialen Netzwerk Facebook hat sich die Gruppe „Arrest the Pope“, „Verhaftet den Papst“, gegründet. Als Bild verwendet sie eine Karikatur Benedikts: Ein zum Hitlergruß gestreckter Arm stößt dem Papst seine Bischofsmütze vom Kopf. Die Mitglieder der Gruppe tauschen sich über Artikel zu den Missbrauchsfällen in Belgien, Holland und Großbritannien aus. Es gibt Videos, die den Papst als „Satans kleinen Helfer“ bezeichnen. Und Ortsansässige ärgern sich über die Straßensperren in Glasgow und Edinburgh, die beiden Städte, die Benedikt XVI. zuerst besucht.

Der Bestsellerautor und bekennende Atheist Richard Dawkins hatte im Vorfeld des Papstbesuchs eine Initiative gestartet, um den Papst für den Umgang der katholischen Kirche mit dem Missbrauch von Kindern durch Priester hinter Gitter zu bringen. Die Webseite der „Richard Dawkins Stiftung für Vernunft und Wissenschaft“ preist nun ein Buch zum Thema an: „Der Fall des Papstes. Die Verantwortung des Vatikans für Menschenrechtsverletzungen“ von Geoffrey Robertson erschien passend eine Woche vor Beginn des Papstbesuchs.

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