Welt : Partykönig vor Gericht: Lange Party - kurzer Prozess

Die Hamburger Schickimicki-Szene hat sich am Montag vor Gericht getroffen: Der Hamburger Partyveranstalter Michael Ammer muss sich seit Montag wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten. Der 40-Jährige soll im September vergangenen Jahres eine 28-Jährige auf einer Party im Szene-Lokal "Wollenberg" mit solcher Wucht auf einen Aschenbecher gestoßen haben, dass sie eine Prellung im Gesicht erlitt. Ammer wollte sich dazu vor dem Amtsgericht nicht äußern.

Der als Zeuge geladene Pop-Star und Ammer-Freund Dieter Bohlen, der sich am fraglichen Abend mit der Berufspilotin unterhalten hatte, sagte aus, nichts von der Tat mitbekommen zu haben. Bohlen erklärte, Ammer habe bei der "Wollenberg"-Party wie gewohnt auf "seinem Thron gesessen". Dann habe der Angeklagte die Frau nur fünf Meter beiseite genommen, weil sie nach Ammers Auskunft "zur Presse gehe und Promis in die Pfanne haue". "Das ist eine attraktive Frau, wieso sollte man sich da belästigt fühlen", sagte Bohlen aus.

Die 28-jährige Berufspilotin schilderte im Prozess, dass der Partymacher ihr zunächst Kokain angeboten habe, was sie aber abgelehnt habe. Danach habe Ammer sie während ihrer harmlosen Unterhaltung mit Bohlen an den Haaren gezogen und heftig auf den Aschenbecher gestoßen. "Er hat mich Schlampe genannt und gesagt, er werde mich töten", sagte die Frau aus.

In ihrer Wohnung im vierten Stock sprang das Ex-Model kurze Zeit später aus dem Badezimmer-Fenster. Sie habe sich verfolgt gefühlt und vorher schon Drohungen bekommen, sagte die Pilotin aus. Mit dem Streit habe der Sprung direkt nichts zu tun. Nach mehreren Operationen kann die Frau jetzt wieder an Krücken gehen.

Ammer erschien vor Gericht im grauen Anzug und türkis-farbenen Hemd, das Gesicht wie immer sonnengebräunt. Er wird vom bekannten Anwalt Johann Schwenn vertreten, der auch dem Hamburger Multi- Millionär Jan Philipp Reemtsma in dessen Entführungs-Prozess beistand. Der Partyveranstalter ist seit 1995 unter anderem wegen Kokain-Besitzes und sexueller Nötigung vorbestraft. Schwenn versuchte, das Opfer in diesem Prozess als unglaubwürdig darzustellen. Mehr als eine Stunde lang stellte er ihr Fragen über ihr Privatleben und ihren Werdegang. Schwenn legte der 28-Jährigen Formulare vor, nach denen sie in einer Begleitagentur gearbeitet haben soll.

Gegen Ende des ersten Verhandlungstages sagte der Richter an Ammer gewandt: "Ich könnte mit vorstellen, sie haben da etwas überreagiert." Er schlug vor, das Verfahren gegen die Zahlung von 20 000 Mark an die Verletzte einzustellen. Darüber soll am 17. September entschieden werden.

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