Welt : Pfarrer-Absprache in Pädophilie-Affäre

Unruhe in den Niederlanden nach öffentlichen Bekenntnissen AMSTERDAM (epd).Die beiden in der sogenannten Pädophilie-Affäre verstrickten reformierten niederländischen Pfarrer sind von ihren Ämtern suspendiert worden.Das beschloß der Vorstand der reformierten Synode.Über ihre Entlassung will die Synode in der kommenden Woche beschließen.Der Amsterdamer Pfarrer und Hochschuldozent Leen van Drimmelen hatte für erhebliche Unruhe gesorgt, weil er sich als Pädophiler ausgegeben hatte und für Toleranz gegenüber solchen Menschen eingetreten war.Später erklärte er, er sei nicht selbst pädophil, sondern habe eine öffentliche Debatte anregen wollen. Der Synodenvorstand verureilte insbesondere, daß dies in direktem Zusammenhang mit der Verurteilung eines kirchlichen Mitarbeiters wegen sexuellen Mißbrauchs von sechs Jungen geschehen sei.Die Affäre um den Pfarrer verschärfte sich, als bekannt wurde, daß er die Aktion mit seinem Kollegen Jaap Huttenga abgesprochen hatte.Huttenga, ein führender Kirchenmann, ist aber ein Freund jenes kirchlichen Mitarbeiters, der vor kurzem zu zweieinhalb Jahren Gefängnis wegen sexuellen Mißbrauchs der sechs Jungen verurteilt wurde.Was als Anstoß zur Debatte bezeichnet wurde, las sich auf einmal wie die Verteidigungsrede für einen Straftäter.Das "fingierte" Bekenntnis von Pfarrer van Drimmelen ließ bei den Opfern erneut all die schrecklichen Erlebnisse wieder aufleben, für die jener Kirchenmitarbeiter verantwortlich war. Die Pädophilie-Affäre weitet sich mehr und mehr zu einem Skandal der Kirche aus, nicht nur weil beide Pfarrer hohe Ämter bekleideten.Was die Öffentlichkeit noch mehr schockierte: Der Vorsitzende der reformierten Synode, Richard Vissinga, kannte die Stellungnahme van Drimmelens im voraus und nannte sie verständnisvoll "mutig und tapfer".Der Synodenvorsitzende betonte, daß auch Pfarrer pädophile Neigungen haben dürften.Die Grenze liege allerdings bei sexuellen Kontakten.Erst nach Bekanntwerden eines Zusammenhangs mit der Straftat änderte der Synodenvorsitzende seine Meinung.

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