Welt : Popkomm: Die Musikmesse feiert sich erstmals mit einer Fernseh-Gala

Die Popkomm ist am Donnerstagabend ein europaweites Massen-Ereignis geworden: Erstmals strahlte die ARD die Fernseh-Show "Stars 2000 - Die Popkomm-Gala" in einer Eurovisionssendung zu Beginn der Musikmesse am Donnerstag live aus Köln aus. Fast nur Stars der Top Ten standen auf der Bühne der Kölnarena. Die Band Echt führte gefühlvoll mit "Junimond" in eine bunte Gute-Laune-Show ohne Kanten und Ecken und einem Sound, der jeden Geschmack traf.

Da rissen die Teenie-Stars ATC das Publikum von den Stühlen. Die italienische Band 883 legte einen fröhlichen Italo-Pop hin. Die Newcomer Reamonn sorgten mit ihrem Hit "Supergirl" bei dem Freund guter, handgemachter Rockmusik für Begeisterung. Mit ihrem Bombastrock steuerte die wiedervereinte, norwegische Band A-HA etwas fürs Gefühl bei. Mel C ließ die Spice Girls nicht vermissen und Altrocker Peter Maffay forderte lautstark "Rette mich".

Gewohnt gegen den Strich bürstete Komödiant Michael Mittermeier die Popkomm-Gala, lästerte über den deutschen HipHop wie den amerikanischen Gangsterrap, vergriff sich fast an Britney Spears, die er dann doch eher für einen Kindergeburtstag geeignet sah. Und zog schließlich über Viva- und MTV-Moderatorinnen genauso her wie über Zungenpiercing. Sasha und Anastacia rundeten den gelungenen Abend mit viel Massengeschmack ab.

Intime Fragen

Jazzy (21), Sängerin der deutschen Popgruppe Tic-Tac-Toe, gehen intime Fragen auf die Nerven: "Ich möchte, dass mein Privatleben respektiert wird", kritisierte Jazzy am Freitag auf der Kölner Musikmesse Popkomm die Fragen von Journalisten. In der Regel bekomme sie in Interviews nur drei Fragen zur ihrer Musik, aber 20 zu ihrem Privatleben gestellt. Das aber habe mit der Musik herzlich wenig zu tun. Jazzy kritisierte den Hang ihrer Interviewpartner zum Exotischen: "Nicht jeder Künstler muss aus einer Musikerfamilie kommen und einen Mongolen zum Vater haben. In erster Linie muss doch die Musik gut sein."

Nach dem Willen von Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff soll die Musikindustrie in den nächsten zwölf Monaten konsequent den Weg ins Internet suchen. Die Musikbranche müsse neue Geschäftsmodelle entwickeln und die neue Technik integrieren. "Haben Sie den Mut, auch Fehler zu machen und alles komplett in Frage zu stellen", rief er am Freitag auf der Popkomm in Köln der Branche zu. "Sehen sie die Chance und nicht so sehr das Risiko." In fünf Jahren könnte der Umsatz der Plattenverkäufe über Internet bei 20 Prozent liegen. Die Bedeutung des Internets und der Online-Firmen wie MP3.com oder die Musiktauschbörse Napster seien unterschätzt worden. Es sei jedoch klar: "Diese neue Technik a la Napster ist nicht mehr zu stoppen." Middelhoff warf der Branche vor, über die Kundeninteressen nicht immer nachgedacht zu haben. "Wer heavy user bei Napster ist, ist auch heavy user im Plattengeschäft". Millionen würden die Möglichkeiten bei Napster nutzen, um Musik runterzuladen. "Sind das alle Kriminelle? Nein", sagte Middelhoff. Im Kampf gegen Raubkopien forderte er schnell technische Standards zur Abrechnung im Internet und die schnelle Digitalisierung der legalen Musik. Bisher gebe es lediglich 150 legale Titel im Netz gegen das gewaltige illegale Angebot bei Napster. Die Label müssen sich neu definieren, forderte Middelhoff. Madonna sei sehr traurig gewesen, als ihre neue Single schon vor der Veröffentlichung im Internet zu hören war. Dies stelle sich jetzt allerdings als großer Werbeeffekt heraus.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben