Prozess-Auftakt : Geständnis im Fall "Schwarze Witwe"

Lydia L. schweigt, ihr Gehilfe gesteht die erste Tat: Der Prozess um eine der spektakulärsten Mordserien der jüngeren Vergangenheit hat begonnen - mit der Schilderung eines brutalen Verbrechens.

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Foto: dpa

Göttingen Wegen vierfachen heimtückischen Mordes müssen sich die 68-jährige frühere Prostituierte Lydia L. aus Bodenfelde an der Weser (Niedersachsen) und der von ihr psychisch abhängige 53-jährige Gelegenheitsarbeiter Siggi S. verantworten. Die als "Schwarze Witwe" bekannt gewordene Lydia L. soll ihren Gehilfen beauftragt haben, zwischen 1994 und 2000 vier ältere Männer zu ermorden, auf deren Vermögen sie es abgesehen hatte. Zu Prozessbeginn gestand der Gehilfe den ersten Mord aus dem Jahr 1994.

Das Opfer, ein 74-jähriger Mann aus Meppen im Emsland, war ein paar Tage zu Gast bei Lydia L. in Bodenfelde. "Ihm hat sie ein starkes Beruhigungsmittel unter das Essen gemischt," sagte Siggi S., der seiner Auftraggeberin regelrecht hörig gewesen sein soll. Als der Rentner zum Arzt gehen wollte, um sein Unwohlsein untersuchen zu lassen, hat Lydia L., aus Angst entdeckt zu werden, gesagt: "Der muss weg, ganz weg." Siggi S. sollte diese Aufgabe übernehmen. Einige Tage später luden sie den 74-Jährigen mit Beruhigungsmitteln betäubt in ein Wohnmobil. Unterwegs wurde er wach. "Dann habe ich ihn mit einer Plastiktüte erstickt", sagte der Angeklagte. Bei Lutterberg an der Autobahn Kassel-Göttingen zündete er die Leiche mit Rasenmäherbenzin an.

Auftragsmorde "nur ausgedacht"?

Lydia L. äußerte sich im Prozess bisher nicht zu den Anschuldigungen. Vor dem Gerichtssaal sagte ihr Anwalt Klaus Kunze allerdings, dass sich Siggi S. die Auftragsmorde nur ausgedacht haben soll. Er sei "eifersüchtig" und habe nicht ertragen, dass seine Mandantin Kontakt zu anderen Männern gehabt hat.

Die Frau soll Anfang der 90er Jahre begonnen haben, Kontaktanzeigen in regionalen und überregionalen Tages- und Wochenzeitungen aufzugeben. Sie suchte darin nach "älteren, pflegebedürftigen Herren zwecks Altenpflege". Die Ermittler gehen davon aus, dass es Lydia L. dabei ausschließlich ums Geld ging.

Opfer erst betäubt und dann erstickt

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Angeklagten vor, die Morde an vier Männern gemeinsam geplant zu haben. Immer nach dem gleichen Schema hat die Ex-Prostituierte ihren Opfern Beruhigungsmittel ins Essen gemischt haben, so Staatsanwalt Andreas Buick. Als diese sich nicht mehr wehren konnten, soll der Gehilfe die Männer erstickt haben.

Nach dem Rentner aus dem Emsland brachte der Hilfsarbeiter laut Anklage ebenfalls 1994 im nordhessischen Melsungen auch den 84-jährigen Ehemann von Lydia L. um, wenige Monate nach der Hochzeit. Der Mann wurde beerdigt, ohne dass jemand Verdacht geschöpft hatte. Drittes Mordopfer wurde 1995 ein 81-jähriger Unternehmer aus Zweibrücken in Rheinland-Pfalz. Die Leiche wurde bei Volkerode in Nordthüringen entdeckt. Sie war ebenfalls mit Benzin übergossen und angezündet worden. Im Jahr 2000 schließlich tötete der Hilfsarbeiter einen 71-jährigen Rentner aus einem Dorf bei Springe am Deister. Die Leiche dieses Mannes wurde im Garten seines eigenen Haues ausgegraben.

Der Gelegenheitsarbeiter war im vergangenen August rund sieben Jahre nach der letzten Tat in der Polizeistation seines Heimatortes Bodenfelde aufgetaucht und hatte die Morde freiwillig zugegeben. Er behauptet, dass Lydia L. ihn angewiesen hat, die Männer zu töten. (smz/küs/dpa)

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