Prozess : Getötete Babys: Mutter verteidigt Tat

Im Prozess um die drei toten Babys aus dem sauerländischen Wenden-Möllmicke hat die angeklagte Mutter eine Tötungsabsicht bestritten. Vor Gericht hatte sie jedoch gestanden, die Babyleichen in einer Tiefkühltruhe versteckt zu haben.

Kindstötung
Gesichtslos: Die Angeklagte will vor Gericht unerkannt bleiben. -Foto: dpa

SiegenIm Prozess um die im Sauerland gefundenen toten Babys hat die angeklagte Mutter gestanden, die Leichen der Neugeborenen in einer Tiefkühltruhe versteckt zu haben. In einer von ihren Anwälten verlesenen Erklärung wies die 44-Jährige am Dienstag vor dem Landgericht Siegen jedoch den Totschlagsvorwurf der Staatsanwaltschaft zurück. Die Anwälte verwiesen in der Erklärung unter anderem darauf, dass ihre Mandantin unter einem mit den Jahren wachsenden Alkoholproblem gelitten habe.

Die drei Schwangerschaften seien "weder gewünscht noch unerwünscht" gewesen. Die Mutter habe die Schwangerschaften verdrängt, unter anderem weil sie "panische Angst vor Ärzten" gehabt habe. "Um sich nicht mit der für sie kaum erträglichen Situation eines Arztbesuchs konfrontieren zu müssen, verdrängte sie die Schwangerschaft und wartete erst einmal ab", sagte Rechtsanwalt Andreas Bartholomé. Die Öffentlichkeit wurde am späten Vormittag vorübergehend aus dem Prozess ausgeschlossen, da bei der weiteren Befragung der Angeklagten die persönlichen Beziehungen innerhalb der Familie und Details über das Intimleben erörtert werden sollten.

Die Anklage wirft der Hausfrau aus dem Ort Wenden im Sauerland zweifachen Totschlag vor. Sie soll zum Jahresende 1988 sowie im Zeitraum zwischen 2003 und 2007 zwei Mädchen nach der Geburt getötet und die Leichen anschließend in der Tiefkühltruhe versteckt haben. Das dritte Baby tötete die Angeklagte demnach bereits 1986 oder 1987, diese Tat ist allerdings verjährt. Die Angeklagte hat noch drei weitere Kinder. Der Leichenfund hatte Anfang Mai bundesweit Entsetzen ausgelöst. Der 18-jährige Sohn der Familie entdeckte eine der Leichen auf der Suche nach einer Tiefkühlpizza. (nal/AFP/ddp)

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