Prozess : Paparazzi trifft Mitschuld an Dianas Tod

Urteil im Gerichtsverfahren um Lady Dis Tod: Die Geschworenen geben den Paparazzi eine Mitschuld an dem tödlichen Unfall in Paris.

Markus Hesselmann

London - Vier Tage lang haben die elf Geschworenen beraten. Am Montagabend fällten sie ihr Urteil im Londoner Gerichtsverfahren um den Tod von Prinzessin Diana und Dodi al Fayed. Demnach trifft die Paparazzi, die das Auto der beiden mit hohem Tempo verfolgten, eine Mitschuld an deren Tod. Die britische Prinzessin und ihr Freund kamen 1997 in Paris ums Leben, nachdem ihr Mercedes gegen einen Tunnelpfeiler gerast war. Ermittlungen britischer und französischer Behörden hatten ergeben, dass der Mercedes vor allem aufgrund zu schnellen Fahrens und Trunkenheit des Chauffeurs Henri Paul verunglückt war. Paul starb damals ebenfalls. Die Londoner Geschworenen, sechs Frauen und fünf Männer, betonen nun als weitere Ursache die Verfolgungsjagd einer Gruppe von Pressefotografen.

Rechtswidrige Tötung durch grob fahrlässiges Fahren – so lautete das Urteil. Richter Scott Baker sprach sogar von einer Form von „manslaughter“. Der englische Begriff entspricht in diesem Zusammenhang aber eher fahrlässiger Tötung als Totschlag. Da in dieser Untersuchung keine Angeklagten vor Gericht standen, ist das Urteil auch kein Schuldspruch gegenüber bestimmten Personen. Eine solche Schuld müsste in einem weiteren Prozess verhandelt werden.

Nach einem halben Jahr ist damit ein Verfahren beendet, das anberaumt wurde, um die Todesursache endgültig festzustellen und den Verschwörungstheorien um jene Augustnacht von Paris ein Ende zu bereiten. Dass dieses Verfahren erst rund zehn Jahre nach Dianas Tod begann, begründete das Gericht damit, dass zunächst alle anderen Untersuchungen zu dem Fall in Frankreich und Großbritannien abgeschlossen sein mussten.

Eine Beteiligung des Königshauses an einem Mordkomplott, wie sie Dodi al Fayeds Vater Mohamed behauptet hatte, stand in den Beratungen der Geschworenen nicht mehr zur Debatte. In seiner Zusammenfassung der Gerichtsverhandlung hatte Richter Scott Baker ein Urteil in dieser Richtung ausgeschlossen. „Dafür gibt es nicht den Ansatz eines Beweises“, hatte er festgestellt.

Weit mehr als 200 Zeugen sagten in den Londoner Royal Courts of Justice aus – bis hin zum Privatsekretär von Prinz Philip. Den Ehemann von Königin Elizabeth II. hatte der Multimillionär Mohamed al Fayed direkt als Mordverschwörer beschuldigt. Das Verfahren kostete mehrere Millionen Euro an Steuergeld. Doch neue Erkenntnisse gab es kaum.

Kurz vor der Urteilsverkündung am Montagabend hatte Scott Baker die Geschworenen davon entbunden, ein einstimmiges Urteil zu fällen. Er werde nach einer derart langen Beratungszeit nun eine Entscheidung mit neun gegen zwei Stimmen akzeptieren. Vorher hatten die Geschworenen mitgeteilt, dass sie zu keinem einhelligen Ergebnis gelangen könnten. Zwei Geschworene trugen das Urteil am Ende nicht mit.

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