Welt : Psycho-Analyse: Heute: Hängende Dame im Pepitakostüm

Ingolf Gillmann

Liebe Kinder - und solche, die es wieder werden wollen: Nehmt auch keine Drogen, die den Schmerz eines eingeklemmten Nervs lindern! Und wenn ihr sie doch nehmt, die Drogen, weil der Schmerz so unerträglich ist wie die Gestik und Mimik und Kleidung und Stimme und und und von Hella von Sinnen oder Markus Maria Profitlich ("Die Wochenshow"), selbst, wenn euch so viel Schlimmes wird beschert, solltet Ihr keine Drogen nehmen. Denn lest: Dieser Text wurde geschrieben unter Einfluß von 100 mg Tramagit.

Wer diese Pillen schluckt, gibt seinen Füßen Namen - der linke Fuß heißt ab sofort "Linka" und der rechte Fuß heißt "Rechta". Und Linka und Rechta bekommen zu Weihnachten bequeme Schuhe, obwohl bequeme Schuhe ja immer aussehen wie Luftkissenboote.

Nicht einmal ein Playboy, der jenseits von Eden steht, würde aus bequemen Schuhen Champagner trinken. Der frühere Playboy Gunther Sachs sagt, dass es heute keine Playboys mehr gibt. Also gibt es auch keinen Grund mehr, bequeme Schuhe zu kaufen. Linka und Rechta bekommen trotzdem ein Paar, damit sie unter den Blicken der Ladies und Girlies leiden wie ihr Besitzer unter dem eingeklemmten Nerv, der so weh tut, dass ihm auch nach 100 mg Tramagit eine Zahnwurzelbehandlung lieber wäre.

Die Dame hier im Pepitakostüm leidet nicht unter einem eingeklemmten Nerv, sondern unter der Originalität ihrer Kinder; die haben ihr nämlich zu Weihnachten mal etwas "ganz Besonderes" geschenkt. Hatte sie sich auch gewünscht, etwas Besonderes. Aber gleich so besonders? Doch damit die Kinder nicht aus Frust zu Drogen greifen, probiert die Dame das Geschenk gleich aus.

Kurze Rede, langer Sinn: Mit dieser hängenden Dame im Pepitakostüm will uns der Künstler sagen: Nicht zu bekommen, was man sich wünscht, kann manchmal ein wunderbarer Glücksfall sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben