Raumfahrt : Hoch erfolgreiche Kollision

Das Projektil der Nasa-Sonde "Deep Impact" ist um kurz vor 8 Uhr morgens planmäßig auf dem Kometen "Tempel 1" eingeschlagen. Weltraumforscher aus aller Welt betrachten die Kollision als großen Erfolg und erhoffen sich durch den Zusammenstoß neue Erkenntnisse über das Innere des Kometen.

Washington/Paris (04.07.2005, 16:15 Uhr) - Das erste je von Menschen auf einen Himmelskörper gerichtete Geschoss ist wie eine riesige Bombe auf dem Kometen Tempel 1 eingeschlagen. Das kühlschrankgroße Projektil der US-Raumsonde «Deep Impact» raste am Montag mit einer Geschwindigkeit von rund 37.000 Kilometern pro Stunde in den kartoffelförmigen Kometen. Weltraumforscher in aller Welt feierten die kontrollierte Kollision als spektakulärer Erfolg. Auf Bildern, die «Deep Impact» 16 Sekunden nach dem Aufschlag aufnahm, war hoch geschleudertes Material in gleißendem Licht zu sehen. Astronomen erhoffen sich in den kommenden Monaten von der Auswertung der Bilder Aufschluss über die Entstehung des Sonnensystems.

Das Projektil «Impactor» hatte sich am Sonntag wie geplant von der US-Raumsonde gelöst und Kurs auf Tempel 1 genommen. Knapp 24 Stunden später, am Montag um 7:52 Uhr (MESZ), prallte es auf den Kometen. «Das Bild zeigt deutlich einen spektakulären Aufschlag», sagte der wissenschaftliche Direktor der Mission, Michael A'Hearn am Jet Propulsion Laboratory der NASA in Pasadena (Kalifornien) begeistert. Dort herrschte Partystimmung, als fünf Minuten nach dem Aufprall die ersten Bilder eintrafen. Die Weltraumforscher pfiffen und klatschten und fielen sich in die Arme.

«Die Mission war wirklich ein durchschlagender Erfolg», sagte Andy Dantzler, Direktor der Solarabteilung der US-Weltraumbehörde NASA. «Es lief ziemlich so wie ein Uhrwerk, alles also so, wie es sein sollte», meinte «Deep Impact»-Manager Rick Grammier. Kometen sind für die Astronomen sehr interessant, denn ihre Zusammensetzung hat sich seit der Planetenbildung im Sonnensystems kaum verändert.

"Himmlisches Feuerwerk"

Die NASA hatte das 333 Millionen Dollar (275 Millionen Euro) teure Ereignis pünktlich zum amerikanischen Unabhängigkeitstag am 4. Juli als eine Art «himmlisches Feuerwerk» geplant. Grammier beteuerte aber, die Weltraumbehörde habe mit diesem Datum für den Beschuss keine besondere «Botschaft» aussenden wollen.

An der Europäischen Südsternwarte ESO in München herrschte ebenfalls Hochstimmung. Die Wissenschaftler beobachteten beim Aufprall der Sonde die starke Helligkeitszunahme am Kometen. «Es ist also sehr viel Energie freigesetzt worden bei dem Aufschlag», sagte ESO-Astronomin Monika Petr-Gotzens. In der entstandenen Staubwolke seien verschiedene Arten von Gasen und Staubpartikel zu vermuten. Der Einschlagkrater auf dem 14 Kilometer langen Kometen sei zunächst noch nicht zu erkennen gewesen.

Das mit einer Kamera versehene 372 Kilogramm schwere Geschoss hatte nach NASA-Angaben noch drei Sekunden vor seinem Aufprall in 133 Millionen Kilometer Entfernung zur Erde phänomenale Fotos von Tempel 1 gemacht. «Es waren zwei sehr große Krater zu erkennen», sagte Petr- Gotzens. Sie könnten vom Einschlag kleinerer Körper aus dem All stammen. Zudem habe der Komet Tempel 1 viele Furchen.

Die Muttersonde «Deep Impact», die die ersten beeindruckende Spektralfotos des Kometen nach dem Einschlag lieferte, schloss allerdings nach 13 Minuten wie vorgesehen vorübergehend ihre «Scheuklappen». Die NASA wollte verhindern, dass die sensiblen Geräte beim besonders nahen Vorbeiflug an dem Kometen durch den bei dem Aufprall aufgewirbelten Staub beschädigt werden könnten. Eine halbe Stunde später wurden die Kameras wieder auf Empfang geschaltet. Die Forscher hoffen, erstmals überhaupt Substanzen aus dem Kern eines Kometen sehen.

Schon zehn Minuten nach dem Aufprall des Geschosses lieferte auch die europäische Raumsonde «Rosetta» erste Daten zur Erde. «Rosetta» war zu diesem Zeitpunkt nach Angaben eines Sprechers des Europäischen Raumfahrtkontrollzentrums ESOC in Darmstadt 80 Millionen Kilometer von «Deep Impact» entfernt.

Seit dem Start am 12. Januar hat «Deep Impact» rund 431 Millionen Kilometer zurückgelegt. Die NASA benannte ihre Expedition nach dem Endzeitfilm «Deep Impact - Der Einschlag» aus dem Jahr 1998. In dem Film rast ein riesiger Komet auf die Erde zu.

Nasa-Website: Deep Impact (tso)

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