Razzia bei Maler Baselitz : Schwarze Phase

Die Steuerfahndung hat den Malerstar Georg Baselitz im Atelier am Ammersee besucht. Der Kunstmarkt ist besonders undurchsichtig, die Finanzbehörden haben zu wenig Experten, um die Geldströme in diesem Bereich zu kontrollieren.

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Prominente Kundschaft. Das Arbeitszimmer von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder zierte ein Adler von Georg Baselitz. Kopfüber gemalt, wie alle Bilder des Künstlers.
Prominente Kundschaft. Das Arbeitszimmer von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder zierte ein Adler von Georg Baselitz. Kopfüber...Foto: picture-alliance/ dpa

Irgendwann musste es einmal so kommen. Die Steuerfahndung hat nun auch in der Kunstszene zugeschlagen, einem Markt, auf dem Millionenwerte gehandelt werden, die dann zwar öffentlich in Museen und bei privaten Sammlern hängen mögen, wo aber Diskretion, ja Geheimhaltung zu den wichtigsten Tugenden gehört. Steuerfahndungen hat es dort schon immer gegeben. Nun aber ist eine der prominentesten Figuren des Betriebs, der Künstler Georg Baselitz, ins Visier geraten. Auf der internationalen Weltrangliste der Künstler steht er auf Platz 3. Seine Werke erzielen Rekordpreise auf Auktionen.

In seinem am bayerischen Ammersee gelegenen Atelierhaus transportierten die Ermittler kistenweise Unterlagen ab, während sich der Maler und Bildhauer auf dem Weg zu seinem ligurischen Zweitwohnsitz befand. Die Fahnder waren auf den Namen des 75-jährigen Weltstars in den Unterlagen der Schweizer Großbank UBS gestoßen, die von der nordrhein-westfälischen Landesregierung im Sommer 2012 gekauft worden waren. So arbeiteten bei der Hausdurchsuchung am Ammersee bayerische und rheinische Beamten Hand in Hand.

Der Sekretär des Künstlers, Detlev Gretenkort, war gestern für Nachfragen nicht mehr zu erreichen. Dem „Spiegel“, der zuerst von der Affäre erfahren hatte, ließ Baselitz noch ausrichten, dass er weder Steuern in Millionenhöhe hinterzogen habe noch dass ein Haftbefehl vorliege. Auch Contemporary Fine Arts, die Berliner Galerie des Künstlers, wollte sich zu dem Fall nicht äußern. Galerist Bruno Brunnet erklärte, dass seine Galerie erst 2012 detailliert geprüft worden sei. Der Weg eines Kunstwerks vom Atelier über die Galerie bis zum Käufer verliefe bei Contemporary Fine Arts vollkommen transparent. Unausgesprochen ließ er dabei, wie es sich mit jenen schwarzen Verkäufen verhält, die direkt aus dem Studio getätigt werden. Eigentlich, so sagt Brunnet, hätte er gedacht, dass die Zeiten mit dem Schuhkarton voll Geld vorbei seien und der Kunstbetrieb professioneller geworden wäre. Stattdessen spricht er lieber von der in Nordrhein-Westfalen noch unter der CDU-Regierung Künstlern offerierten Möglichkeit, Vermögens- und Erbschaftssteuern zu umgehen, indem man Landesmuseen Kunst überlässt.

Die Hausdurchsuchung bei Baselitz geschieht in einem Moment, wo die Erregung über den Hoeneß-Skandal nachlässt. Anders als der Fußball-Manager, der sich selbst offenbart hatte, liegt bei dem Künstler keine Eigenanzeige vor. Gleichwohl hatte die Schweizer Bank ihren Kunden entsprechende Hinweise gegeben. Aufgestöbert durch die Affäre Hoeneß hatten sich in jüngster Zeit wieder vermehrt Steuersünder gemeldet. Einen solchen Schwung Selbstanzeigen gab es zuletzt im Februar 2010, als eine erste CD mit Kundendaten der Credit Suisse aufgetaucht war.

Bei diesen Listen war immer wieder auch die Rede von prominenten Künstlern, doch mit Baselitz hat es erstmals eine namhafte Person erwischt. Dabei haben die Behörden längst ein Auge auf den Kunstmarkt, da hier zahlreiche Privatgeschäfte getätigt werden und viel Geld verschoben wird. Für die Finanzverwaltung stellt sich das Terrain als problematisch dar, weil Kunst keine klassisch handelbare Ware ist und es unter den Beamten an Experten mangelt. Häufig geraten die Steuersünder des Kunstbetriebs nur durch Zufall in die Fänge der Fahnder, wie jüngst in Köln, wo ein Industrieller durchleuchtet wurde, bei dem man dann auf unversteuerte Kunstkäufe stieß. Erst auf diesem Wege gelangen die Rechercheure meist zu den Künstlern. Der Fall Baselitz aber gewinnt zusätzliche Pikanterie, hatte sich der Künstler doch erst zuletzt darüber ereifert, dass es in Deutschland „angeblich“ kein Geld für Kunst gäbe – „trotz der ganzen Steuern“. Selbst gezahlt hat er sie offenbar nicht.

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