Welt : Razzia gegen organisierte Kriminalität

Sandra Dassler

Neuruppin - Die Anwohner der August-Bebel-Straße im eher etwas verschlafenen Städtchen Neuruppin wurden gestern unsanft geweckt. Im Morgengrauen hielten Dutzende Polizeifahrzeuge vor mehreren Wohnungen. Die Beamten stießen bei ihrem Eindringen auf keinen Widerstand – zu groß war die Überraschung bei den acht Männern, für die Haftbefehle vorlagen. Zeitgleich durchsuchten 400 Polizisten, Staatsanwälte und Steuerfahnder 55 Objekte in Brandenburg, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern. Die Aktion galt einer kriminellen Vereinigung, die gewerbsmäßig mit Kokain gehandelt, unerlaubte Glücksspiele und Bordelle betrieben, Steuern hinterzogen und die Gelder aus dieser Tätigkeit in legale Geschäfte angelegt haben soll.

Das brandenburgische Landeskriminalamt (LKA) hatte seit Jahren in einem Verfahren zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität gegen die jetzt Verhafteten ermittelt. „Bei Prozessen um Rauschgifthandel und andere Delikte tauchten immer mal Namen aus dem Umfeld der Bande auf“, sagte LKA-Sprecher Toralf Reinhardt: „Es gelang aber nie, die Hintermänner zu überführen.“ Der Hauptbeschuldigte ist nach Reinhardts Angaben ein 36-jähriger Geschäftsmann, der mit Immobilien und Spielautomaten handelt und Videotheken betreibt. Alle acht Verhafteten sind Deutsche, sollen aber auch Kontakte ins Ausland haben. Festgenommen wurden gestern auch fünf illegal beschäftigte Prostituierte aus Osteuropa.

Die Beamten durchsuchten bundesweit Spielhallen der Kette „Monte Carlo“ und „Peanuts“ sowie Privatwohnungen. Die Aktion war streng geheim gehalten worden, weil die Ermittler befürchteten, dass die Verdächtigen gewarnt werden könnten: Ermittelt wird auch gegen einen Polizeibeamten aus Neuruppin, der gestern vom Dienst suspendiert wurde, sowie gegen zwei Mitarbeiter des Grundstücks- und des Gewerbeamts der Stadt.

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