Reaktionen : Lena begeistert Europa für Deutschland

Deutschland muss jetzt nicht mehr Fußball-Weltmeister werden. Fast scheint es, als habe Lena in Ländern, in denen es traditionell einige Vorbehalte gegenüber Deutschland gibt, die Herzen der Menschen erobert.

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"Deutschland reißt die Eurovision ins 21. Jahrhundert", jubelte der BBC-Reporter Mark Savage. Der deutsche Teenager Lena, der gar mit Lily Allen verglichen wurde, habe eine neue Ära eingeläutet und dem Wettbewerb eine musikalische Glaubwürdigkeit verliehen, die dieser vorher nie gehabt habe. Gerade die Einfachheit des Auftritts, das Pure, das Erfrischende zeuge von einer lebhaften und spielerischen Persönlichkeit, die den größten Eindruck hinterlassen habe.

Ähnlich sahen das wohl auch die europäischen Zuschauer. Mit einem satten Vorsprung von 76 Zählern hatte Lena gewonnen. Neun Mal hat sie am Samstagabend die Höchstwertung zwölf Punkte bekommen. "Twelve points", "douze points" kamen aus Dänemark, Estland, Finnland, Spanien, der Slowakei, Lettland, Norwegen, der Schweiz und Schweden. Die zweitbeste Note - zehn Punkte - gab es von Albanien, der Türkei, Slowenien, Litauen und Belgien. 33 der 39 Teilnehmerländer gaben Lena Punkte.

Skandinavien gefällt Lena besonders

Das ist insofern erstaunlich, als Deutschland in den letzten Wochen eher als Schulmeister in Europa auftrat, mit unangenehmen Anweisungen an die anderen Länder, wie sie sich fiskalpolitisch zu verhalten haben. Das ist keine Sympathie schaffende Rolle.

Vielleicht ist Lenas Persönlichkeit ein Gegenstück, das andere Länder wieder für Deutschland einnehmen kann.

Auffallend sind die Skandinavier, die dem deutschen Beitrag sehr zugetan waren, - und die Schweiz. Das ist ein gewisses Rätsel. In Schweizer Medien laufen seit längerer Zeit Kampagnen, die den Deutschen an sich für unverträglich, anmaßend, unsympathisch, besserwisserisch und überheblich darstellen. Wie kommen die Schweizer dazu, dem deutschen Beitrag zwölf Punkte zu geben? Darüber kann man nur spekulieren. Vielleicht weil Lena das Gegenteil des Deutschen-Klischees verkörpert? Die Schweizer, die bei dem Halbfinale ausschieden, gelten als sehr ESC-begeistert. Wie in anderen Ländern gilt das vor allem für die Schwulenszene. Diese wiederum dürfte in der Schweiz gegenüber Deutschen weniger urteilsbehaftet sein. Zudem schauen viele Schweizer deutsches Fernsehen. Da lief die Begeisterung für Lena auf allen Touren. Als Vertreterin eines anderen Deutschlands, wie sie es zu kennen meinen,  lernten sie sie möglicherweise lieben. Ein Aspekt dürfte eher eine kleinere Rolle gespielt haben. Es gibt viele Deutsche, die in der Schweiz leben. Aber das sind in erster Linie Ärzte, Professoren und Ingenieure. Auch wenn mancher von ihnen Spaß an solchen Veranstaltungen haben mag, den halben Abend am Telefon für eine Sängerin zu kurbeln, dürfte ihnen eher zuviel sein.

Jedenfalls gibt es jetzt auch für Deutsche einen Grund, den sperrigen Schweizern mal danke zu sagen. Für ein bisschen Frieden. Und das mit den Griechen, die uns am Samstagabend so abstraften, das kriegen wir auch noch irgendwann hin.

 

 

 

 

 

 

 

 

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