Reemtsma-Enführung : Festgenommener Horst R. gilt als Veteran der deutschen Hells Angels

Fast 20 Jahre nach der Entführung von Jan Philipp Reemtsma hat die Polizei eine neue Spur des verschwundenen Lösegeldes. Die führt nach Spanien und ins Frankfurter Rocker-Milieu.

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Ein spanischer Beamter prüft Banknoten und Dokumente bei einer früheren Razzia im Fall Reemtsma.
Ein spanischer Beamter prüft Banknoten und Dokumente bei einer früheren Razzia im Fall Reemtsma.Foto: dpa

Der im Zusammenhang mit der neuen Spur zu dem Reemtsma-Lösegeld festgenommene Horst R. gilt als Veteran der deutschen Hells Angels. Fast zwei Jahrzehnte nach der Entführung des Millionen-Erben Jan Philipp Reemtsma hat die Polizei offenbar eine neue Spur des noch immer verschwundenen Lösegeldes, die nach Spanien und ins Frankfurter Rocker-Milieu führt. In einer gemeinsamen Aktion des deutschen Bundeskriminalamtes und spanischer Fahnder wurde Horst R. auf Mallorca festgenommen. Der Mann soll zusammen mit weiteren Mitgliedern der Hells Angels in die Geldwäsche der Millionen verwickelt sein. Zeitgleich nahm die deutsche Polizei in Aachen die Schwester des Verdächtigen fest.

Horst R. wurde in einem Nobelviertel in Palma de Mallorca festgenommen

Die Polizei schlug bereits am vergangenen Mittwoch zu – auch wenn die Verhaftung der beiden Deutschen erst am Wochenende bekannt gegeben wurde. Der 62-jährige Hauptverdächtige Horst R. war vom BKA mit internationalem Haftbefehl gesucht und in einem Nobelviertel in Mallorcas Hauptstadt Palma ausfindig gemacht worden. Gegen acht Uhr morgens, berichtete die mallorquinische Inselpresse, hatten die Beamten das luxuriöse Anwesen des Gesuchten in der Prominentensiedlung Portixol gestürmt. Bei der Durchsuchung seien Dokumente, Computer und Bargeld beschlagnahmt worden.

Horst R. soll Geldwäscher des Reemtsma-Lösegeldes erpresst haben

Nach spanischen Angaben wird Horst R. als Veteran der deutschen Hells Angels eingeordnet, die schon vor Jahren begonnen hatten, ihre zwielichtigen Geschäfte auf Mallorca auszudehnen. Er habe Verbindungen zur Frankfurter Hells-Angels-Gruppe „Westend“ gehabt, gegen die wegen Geldwäsche des Reemtsma-Lösegeldes ermittelt wird, das im Jahr 1996 für die Freilassung des Unternehmersohns gezahlt worden war.

Jan Philipp Reemtsma
Jan Philipp ReemtsmaFoto: dpa

Nach Mitteilung der spanischen Polizei bestehe der Verdacht, dass Horst R. und seine in Aachen festgenommene Schwester mutmaßliche „Geldwäscher der Hells Angels erpressten, indem sie damit drohten, sie zu verraten“. Ob die beiden Festgenommenen auch selbst an der Geldwäsche beteiligt waren, blieb zunächst unklar. Horst R. wurde inzwischen von Palma in die spanische Hauptstadt Madrid gebracht, wo er in einer Zelle auf seine Auslieferung nach Deutschland wartet.

Thomas Drach, der Entführer von Jan Philipp Reemtsma, war im vergangenen Jahr freigelassen worden

Die Festnahme von Horst R. war Teil einer größeren internationalen Fahndungsaktion gegen die mutmaßlichen Reemtsma-Geldwäscher, bei der nach spanischen Angaben insgesamt sechs Häuser und Wohnungen in Spanien und Deutschland durchsucht wurden. In Spanien lief die geheime Fahndung unter dem Decknamen „Big Man“, in Deutschland hieß die Operation „Black Mail“. Die Ermittler gehen offenbar davon aus, dass das verschwundene Lösegeld im Milieu der Hells Angels gewaschen worden ist.

Der Reemtsma-Entführer Thomas Drach war im vergangenen Jahr nach 15 Jahren Haft wieder in die Freiheit entlassen worden. Drach hatte 1996 mit Komplizen den damals 43 Jahre alten Millionen-Erben Jan Philipp Reemtsma entführt und mehr als vier Wochen in einem Verlies bei Bremen festgehalten. Gegen ein Rekordlösegeld von 15 Millionen Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken war Reemtsma, Sohn des Zigaretten-Unternehmers Philipp Fürchtegott Reemtsma, schließlich freigelassen worden.

Von dem Lösegeld ist bisher nur ein Bruchteil aufgetaucht. Auch früher war schon spekuliert worden, dass ein Teil des Geldes in Spanien versteckt sein könnte, wo Reemtsma-Entführer Drach inzwischen auch leben soll – und zwar auf Ibiza.

Im vergangenen Sommer war der Hannoveraner Hells-Angels-Boss Frank Hanebuth mit weiteren mutmaßlichen Rockern auf Mallorca festgenommen worden. Ihnen wird die Bildung einer kriminellen Vereinigung, Erpressung, Drogenhandel, Körperverletzung, Prostitutionsgeschäfte und Geldwäsche vorgeworfen. Nun untersucht die Polizei auch, ob es zwischen Hanebuth und Horst R. eine Verbindung gibt.

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