Allgäu : Qual der Wahl

Oberstdorf punktet mit dem größten Skigebiet des Allgäus – und stellt Unentschlossene vor Probleme.

Bernhard Krieger
Ausguck Nebelhorn. Der Oberstdorfer Hausberg ist jedoch nicht nur etwas für Sehleute, sondern bietet durchaus anspruchsvolle Pisten.
Ausguck Nebelhorn. Der Oberstdorfer Hausberg ist jedoch nicht nur etwas für Sehleute, sondern bietet durchaus anspruchsvolle...Foto: Bernhard Krieger

Wer an Abulie leidet, sollte seinen Winterurlaub unter gar keinen Umständen in Oberstdorf verbringen. Abulie bezeichnet eine krankhafte Unentschlossenheit. Und wer sich nur schwer entscheiden kann, ist in Deutschlands südlichster Gemeinde aufgeschmissen. Das größte Skigebiet im Allgäu quält Unentschlossene im Winter nämlich mit fast unendlich vielen Möglichkeiten. Wem nur Skifahren im Schneeurlaub zu langweilig ist, dem muss der traditionsreiche Ferienort an der Grenze zum österreichischen Kleinwalsertal deshalb wie ein Paradies vorkommen.

Alpin-Skifahrer haben gleich fünf Berge mit insgesamt 124 Pistenkilometern in dem einzigen grenzüberschreitenden Skigebiet Deutschlands zur Auswahl. Das größte ist das Fellhorn mit den an der 2058 Meter hohen Kanzelwand entlangführenden Abfahrten ins Kleinwalsertal nach Österreich. Direkt unterhalb der Kanzelwand kommen auf der steilen Zweiländer-Abfahrt die Buckelpisten- Freaks auf ihre Kosten. Häufig sieht man dort Tatjana Mittermayer mit ihren Buckelpisten-Kursen. „Oberstdorf ist für gute Skifahrer einfach Klasse“, sagt die Olympiazweite im Buckelpistenfahren von Nagano 1998.

Rund um die Hütte „Alpe Obere Bierenwang“ mit ihrer großen Sonnenterrasse geht es dagegen sehr viel gemächlicher zu. Auf sanft gewellten Pisten gleiten Genießer hinunter zum „Balzplatz“. Dies ist eine Hütte, deren Name wohl nicht nur von turtelnden Auerhähnen herrührt, sondern wohl auch von flirtwilligen Skihasen und deren Jägern, die sich im Frühjahr an der Bar einfinden.

Das weitaus anspruchsvollere Gebiet ist der Oberstdorfer Hausberg. Das 2224 Meter hohe Nebelhorn bietet bis ins späte Frühjahr einen grandiosen Spielplatz für Tourengeher und Freerider, die sich im „Ortovox-Trainingcenter“ für den Ernstfall im Umgang mit dem abseits der Pisten obligatorischen Lawinenverschütteten-Suchgerät üben können. Auch ein ABS-Lawinen-Airbag sollte im Gelände mittlerweile selbstverständlich sein. So ausgestattet kann man den tollen Blick vom höchsten Berg des Allgäus über 400 Gipfel unbeschwert genießen.

Abwärts geht es vorbei am Iglu-Hotel und der einzigen Halfpipe Deutschlands über die mit 7,5 Kilometern längste Talabfahrt des Landes zurück nach Oberstdorf. Für Familien mit kleinen Kindern eignet sich am besten das Söllereck mit seinen drei Skischulen und Anfängerliften. Wer unbedingt alle fünf Ski-Gebiete abfahren will, macht dann noch einen Ausflug zum Walmendingerhorn und zum Ifen mit seinem sanft geschwungenen Gottesackerplateau.

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