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Bad Waldsee : Windeln waschen in voller Fahrt

10.06.2012 00:00 Uhrvon
Sportberger Land-Yacht L6. Klein, leicht – ideal für PS-schwache Autos der 50er JahreBild vergrößern
Sportberger Land-Yacht L6. Klein, leicht – ideal für PS-schwache Autos der 50er Jahre - Foto: Stefan Puchner dpa

Mit dem „Dethleffs“ 1931 fing es an: Im Hymer-Museum von Bad Waldsee wird das mobile Reisen auf vier Rädern präsentiert.

Raum zum Wohnen musste man sich erarbeiten

Der meistverbreitete Wohnwagen Deutschlands zu Beginn des Wohnmobil- Zeitalters war der „Sportberger Karawane S 39“, Spottname aus offensichtlichen Gründen: „Wanderniere“. 1938 transportierte ein Journalist mit seinem Auto das Gefährt immerhin von Berlin bis Neapel und schrieb darüber eine Reportage. Der „Sportberger Land-Yacht“ wirkt dagegen eher wie ein U-Boot, das man an Land aufgebockt und darunter zwei Räder befestigt hat. Im Grunde taugte der Wohnwagen in der Originalform nur zum Schlafen. Sechs Personen passten hinein. Raum zum Wohnen musste man sich mühsam erarbeiten – indem man eine Art Vorzelt aufbaute. Zur vollen Größe entwickelte sich auch der „Wittener Wohnwagen“, nach seinem Bau 1954 „Volkswohnwagen“ getauft, erst, wenn er nicht mehr über die Straßen rollte, sondern fest geparkt war. Dann wurde das Oberteil hochgekurbelt.

Auch die DDR steuert ihren Beitrag zum mobilen Urlaub bei. Mit dem Pieper 360 zum Beispiel, den der Ingenieur Klaus Pieper in mühsamer Eigenarbeit zusammenklebte. Pieper benutzte glasfaserverstärktes Polyesterharz, investierte 4500 DDR-Mark in sein Kunstwerk und genehmigte seiner Kreation große Scheiben und eine Spirituskochplatte.

Eines der beeindruckendsten Wohnmobile ist ein wuchtiger Anhänger, der die halbe Nordamerikaabteilung ausfüllt. Korrekt heißt das aluminiumglänzende Fahrzeug „Airstream 31“, Zusatzbezeichnung: „Herrscher der Straße“. Baujahr: 1969, Länge: 9,56 Meter. Auf dieser Länge verteilen sich vier Schlafplätze, Badewanne, Dusche und eine Küche mit Backofen. Diese Version war das größte, luxuriöseste und teuerste Modell des Herstellers Airstream. Gezogen wurde die rollende Villa von einem kraftstrotzenden Auto.

Einer der Vorzüge dieses Museums ist seine Vielfalt. Hymer verzichtete dankenswerterweise darauf, nur Wohnmobile der eigenen Firma auszustellen. Das Museum ist typenoffen. Nur eine Regel gilt: Jünger als Baujahr 1981 dürfen die ausgestellten Wohnmobile nicht sein. Das hier ist schließlich ein Museum.

Ein zweiter Vorzug dieses Museums ist sein Etikettenschwindel. Der Bau ist gar kein lupenreines Wohnmobil-Museum. Erwin Hymer, der leidenschaftliche Sammler, hat auch historische oder zumindest besondere Autos ausgestellt. Ein schnittiger Mercedes Benz 230 S2, Baujahr 1965, steht ebenso in den Kulissen wie ein Goggomobil mit 14 PS, welche die rollende Sardinenbüchse bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 72 Stundenkilometern trieben. Auch der NSU Ro 80 mit dem legendären Wankelmotor ist zu bestaunen. Und damit auch die Freunde jahrzehntealter motorisierter Zweiräder auf ihre Kosten kommen, steht ein Motorroller Marke Piaggo Vespa P 80 X irgendwo zwischen Indianerzelt und Meeresstrand.

Kann ja sein, dass Hymer irgendwann denkt, ein Austausch einiger Exponate sei gar keine schlechte Idee. Dann muss er nur in seinen Fundus greifen. In diversen Scheunen rund um Bad Waldsee, erzählt eine Museumsreferentin, hat Hymer noch Dutzende historischer Wohnmobile, Autos und Motorräder geparkt.

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